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03. Mrz 2021 | Corona

Verbände warnen vor neuen Gefahren in Pflegeheimen

Die Pflegebranche warnt in der Corona-Pandemie vor einer neuen Eskalation in den stationären Pflegeeinrichtungen. "Die Pflegekräfte sind ausgebrannt. Wir müssen aufpassen, dass die Krise nicht zum Berufsausstieg führt", sagte Caritas-Präsident Peter Neher dem Evangelischen Pressedienst (epd). Diakonie-Präsident Ulrich Lilie forderte für die Pflegeeinrichtungen "die bestmögliche Unterstützung". Denn "hier leben diejenigen, die am meisten gefährdet sind", sagte er mit Blick auf die überdurchschnittlich hohe Zahl der Corona-Todesfälle in den Pflegeheimen.
Pflegekraft legt sich Mund-Nasen-Schutz an.
Sorge um die Pflegenden: "Viele von ihnen haben sich durch ihre Arbeit selbst mit Covid-19 infiziert. Die meisten brauchen dringend eine Pause", sagte der Diakonie-Präsident Ulrich Lilie zur Situation der Pflegekräfte.
Foto: Adobe Stock/ karrastock
Seit einem knappen Jahr sind fast 70.000 Menschen in Deutschland an Covid-19 gestorben. Davon lebte mehr als die Hälfte in Alten- und Pflegeheimen - bei insgesamt rund 910.000 Heimbewohnerinnen und -bewohnern. Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, kritisiert: "Hygiene-Mängel verschärfen die Infektionslage in den Pflegeeinrichtungen." Auch wenn in den stationären Einrichtungen Schutzimpfungen an den Hochbetagten längst begonnen haben, bleibt nach Nehers Überzeugung "regelmäßige Testung unerlässlich, mindestens solange Bewohnerinnen und Mitarbeiter nicht zwei Mal geimpft wurden - und wahrscheinlich noch länger darüber hinaus". Brysch fordert, jede Pflegeeinrichtung müsse garantieren, dass weder Personal noch Besucher ungetestet eingelassen werden. Besondere Sorge macht Diakonie-Präsident Lilie die Situation der Pflegekräfte, die in der Pandemie weit über ihre Grenzen hinaus gearbeitet hätten. "Viele von ihnen haben sich durch ihre Arbeit selbst mit Covid-19 infiziert. Die meisten brauchen dringend eine Pause", sagte der evangelische Theologe.

Der Deutsche Ethikrat hat vor kurzem mehr Unterstützung für die Pflegeheime gefordert. Bund und Länder müssten schnellstens die Voraussetzungen schaffen, dass Freiwillige in den Einrichtungen helfen und das Pflegepersonal entlasten könnten, empfiehlt das Epertengremium. Caritas-Präsident Neher befürchtet in der angespannten Lage sogar, dass sich Pflegeheime aus finanziellen Gründen zum Personalabbau gezwungen sehen könnten. Denn die Heime hätten angesichts einer rückläufigen Platzbelegung "erhebliche Mindereinnahmen". Dies führe "im schlimmsten Fall dazu, dass das Personal reduziert werden muss", warnt Neher. Deshalb müsse der Finanz-Schutzschirm für die Pflegeeinrichtungen bis zum Jahresende verlängert werden, fordern die christlichen Wohlfahrtsverbände. Der vorliegende Gesetzentwurf aus dem Bundesgesundheitsministerium sehe jedoch "Einschnitte in den bisher gut funktionierenden Schutzschirm" vor, sagte Neher und bekräftigte: "Wir setzen uns mit Nachdruck dafür ein, dass es nicht dazu kommt."

Die Balance zwischen dem Bedürfnis nach menschlicher Nähe und dem Schutz der Bewohnerinnen und Bewohner vor Infektionen bleibe "die größte Herausforderung im Alltag der Heime", glaubt Neher. Lilie sagt: "Diese Herausforderung muss an jedem Ort individuell gemeistert werden. Menschen können auch einen psychischen Tod sterben." Der Verband der privaten Pflegebetriebe bpa vertritt hingegen die Position: "An Einsamkeit ist niemand gestorben, sehr wohl aber an den Folgen einer Infektion." Der bpa warnt vor verfrühten Lockerungen und erklärt: "Es hängt vieles von den Impfungen ab." Der Bremer Pflegeforscher Heinz Rothgang warnt vor einem "Schwarzer-Peter-Spiel" zwischen Politik und Pflegebranche, "bei dem jeder nur versucht, die Verantwortung auf die anderen abzuschieben". Die Verantwortlichkeit für die Organisation der Tests liege in erster Linie bei den Heimen. Sie müssten jedoch dabei unterstützt werden: durch Erstattung der aufgewendeten materiellen und personellen Ressourcen und durch zusätzliches Personal, sagte Rothgang dem Evangelischen Pressedienst.

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