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06. Okt 2021 | Pflegepraxis

VdPB: „Wir laufen in eine Versorgungskatastrophe hinein“

Mit drastischen Worten beschreibt die Vereinigung der Pflegenden in Bayern (VdPB) die Zukunft der Pflege - sofern sich nicht grundlegend etwas ändert. Auch der bayerische Gesundheitsminister Holetschek mahnt dringend eine Pflegereform an.

Versorgungskatastrophe, DBfK, Foto: Werner Krüper
Stress und ein kaum zu bewältigendes Arbeitspensum gehören zum Alltag vieler Beschäftigter in der Pflege.
Foto: Werner Krüper

„Die Versorgungsstrukturen und -kapazitäten, so wie wir sie jetzt im Moment kennen, sind keinesfalls aufrechtzuerhalten“, sagte Bernhard Krautz aus der VdPB-Geschäftsstelle mit Blick auf seiner Organisation veröffentlichte Studie: „Wir werden das Gesundheitssystem umbauen müssen, ansonsten wird es früher oder später zum Kollaps kommen.“

Bis zu 157.000 Vollzeitkräfte in der Pflege werden fehlen

Laut einem Gutachten des bayerischen Sozialministeriums von Anfang März wird sich die Zahl der pflegebedürftigen Menschen in Bayern bis zum Jahr 2050 auf bis zu eine Million verdoppeln. Gebraucht werden rein rechnerisch zusätzlich bis zu 157.000 Vollzeitkräfte.

So viele neue Mitarbeiter zu finden, ist nach Krautz' Einschätzung aber völlig illusorisch: „Die Versorgung muss grundlegend überdacht werden“, forderte er deshalb. „Gesundheitsversorgung muss man wirklich regional betrachten und analysieren, wie die Bedarfe sind und die Bedürfnisse der Bevölkerung, und darauf das Versorgungsangebot und auch die Ausbildung in der Region abstimmen.“ Letztlich führe aber kein Weg daran vorbei, mehr Menschen mit intelligenten Konzepten länger in ihrem Zuhause zu versorgen.

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Bundesregierung muss Pflegereform angehen

„Die Reform der Pflege muss eine der ersten Aufgaben der künftigen Bundesregierung werden - und sie muss endlich ein großer Wurf werden», sagte Holetschek der Deutschen Presse-Agentur. Zwei Hauptthemen müssten angegangen werden, egal welche Koalition demnächst in Berlin regieren werde: die Arbeits- und Verdienstbedingungen des Personals verbessern und den pflegenden Angehörigen ein Mehr an Zeit und Möglichkeiten ermöglichen.

Passend dazu: Pflegereform ist nur ein Strohfeuer

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2 Kommentare

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Unbekannter Nutzer

07. Okt 2021

Seit Jahren immer wieder dieselben Alarmmeldungen: Wie langweilig. - Es wird Zeit, dass wir verstehen: Es ist kein Zufall, dass dem Pflegenotstand nicht wirksam begegnet wird, sondern Kalkül. Wenn die Alten nicht mehr hinreichend gepflegt werden, sterben sie früher und kosten weniger. Anders kann man sich die fortgesetzte Untätigkeit der Politik nicht mehr erklären. - H. Wiegel-Herlan

Mr.Snail

07. Okt 2021

Na logisch, der Staat kann nicht als Auffangbecken für "ausgemusterte" Senioren dienen. Gesellschaftliche Wertschätzung der ehemaligen Leistungsträger der Aufbaugeneration muss da passieren, wo sie hingehört, in erster Linie in der Familie. Diese ist zuständig und das müssen Politiker ganz klar kommunizieren. Oft ist die Kindergeneration selbst schon in Rente und auf der Suche nach angenehmerer Beschäftigung als mit den Altvorderen. Der Staat, die Versicherung und die Pflegeanbieter sollen es gefälligst richten, obwohl die Pflegeversicherungsbeiträge der heutigen Generation "Altenheim" gegen Null bis wenig gehen. Wer keine Kinder hat müsste in eine umfassende Zusatzversicherung einzahlen, denn der Generationenvertrag kann nicht weiter erfüllt werden. Wann gibt der Staat den Menschen und den Familien ihre Verantwortung zurück? Er selbst kann es nicht richten.

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