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13. Jan 2022 | Personal

Schlechtes Zeugnis für die Pflegepolitik – jetzt braucht es Perspektiven

Fast 70 Prozent der befragten Pflegefachpersonen in der stationären Altenpflege planen eine berufliche Veränderung, nur drei Prozent meinen, die Politik habe die Lage in der Pflege verstanden – das hat die Umfrage „Altenpflege im Fokus“ vom Fachmedienhaus Vincentz Network und dem Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) ergeben (nachzulesen in der Ausgabe 11/2021 der Fachzeitschrift Altenpflege). Wie die Pflege wieder zukunftsfähig gemacht werden kann, erläuterten Vertreter:innen des DBfK und von Vincentz Network in einer Online-Pressekonferenz am Donnerstag.

Prof. Herman Brandenburg, Dr. Bernadette Klapper und Miriam von Bardeleben (v.l.n.r) haben die Erkenntnisse aus den Ergebnissen der Umfrage "Altenpflege im Fokus" vorgestellt.

 „Die Studie stellt der Gesundheits- und Pflegepolitik der letzten dreieinhalb Jahre kein gutes Zeugnis aus. Die überwältigende Mehrheit der Antwortenden – 96 Prozent! – glaubt nicht, dass ‚die Politik‘ die Lage verstanden hat und zuverlässig bemüht ist, sie zu verbessern“, so Altenpflege-Chefredakteurin Miriam von Bardeleben. „Wo in der Altenpflege aktuell die größten Schmerzen liegen, und worauf sich ihre Wünsche und Hoffnungen richten, gehört ganz oben auf die Agenda der neuen Bundesregierung und ist mindestens als eindringlicher Appell, wenn nicht gar als Hilferuf der Pflegefachpersonen nach Berlin zu verstehen. Nie war die Chance größer als jetzt, mit mutigen und wirksamen Maßnahmen Pflegekräfte und Pflegemanagement in der Altenpflege zu binden und nachhaltig zu stärken!“

Enttäuschte Pflegende brauchen jetzt ein Signal

DBfK-Geschäftsführerin Dr. Bernadette Klapper ergänzte: „Wir sehen deutlich, dass die Kolleg:innen ihrem fachlichen Anspruch gerecht werden wollen. 58 Prozent sprechen sich für Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten aus und erwarten, dass die Digitalisierung schneller vorankommt. Das zeigt das große Potenzial, das in der Langzeitpflege vorhanden ist und das sich bei richtigen Rahmenbedingungen voll entfalten könnte.“ Laut Klapper brauche es dafür ein ganzes Maßnahmenbündel: Die Gehälter müssten auf ein angemessenes Niveau angepasst werden, das Personalbemessungsverfahren schnell umgesetzt und der Nachgewinn an Personal sichergestellt. Darüber hinaus müsse die Pflegeversicherung gut ausgestattet sein, "damit das Ausspielen der Bezahlung beruflich Pflegender gegen die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen endlich aufhört", so Klapper.

Laut Pflegewissenschaftler Prof. Hermann Brandenburg von der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar bei Koblenz braucht die Altenpflege in Deutschland eine Vision. Die Pflegenden hätten derzeit nicht das Gefühl, sich in ihrem Beruf verwirklichen zu können."Sie steigen nicht nur aus, weil sie zu wenig verdienen. Das ist nur ein Punkt. Sie steigen vor allem aus, weil sie nicht mitwirken können und fremdgesteuert arbeiten müssen", so Brandenburg. Der Pflegewissenschaftler sieht großes Potenzial für eine qualitativ hochwertige Altenpflege in der Akademisierung.

Die vollständigen Ergebnisse der Umfrage "Altenpflege im Fokus" finden Sie hier.

Pflege.Stark.Machen - Mitschnitt der Online-Pressekonferenz

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Wer die Position der Pflegedienst- oder Wohnbereichsleitung übernimmt, muss in neue Leitungsaufgaben hineinwachsen. Hilfreich sind hier Beiträge aus der Fachzeitschrift Altenpflege, die, ergänzt um Checklisten und Zusatzmaterialien, die folgenden Themen beleuchten: - Die Leitungsfunktion als Rolle - Trennung von Berufs- und Privatleben - Verantwortung - Leitungskompetenz - Entscheidungen - Burnout - Kommunikation - Zuhören - Kritik - Stress - Erfolg - Lob - Einstellungen.

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1 Kommentare

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13. Jan 2022

Eine substanzielle Verbesserung der Verhältnisse in der Pflege würde unglaublich viel Geld kosten, das über die Erhöhung der SV-Beiträge und/oder Steuererhöhungen aufgebracht werden müsste. Dazu wird auch die neue Bundesregierung kaum den politischen Willen und die notwendige Energie aufbringen. Die implizite Konsequenz: früher sterben. Mit der Triage geht’s gerade los. Hanfried Wiegel-Herlan

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