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01. Jul 2022 | Demenz

Gerontopsychiatrische Erkrankungen: Milieugestaltung macht den Unterschied

Menschen mit gerontopsychiatrischen Erkrankungen haben ein Bedürfnis nach Autonomie, Sicherheit und Wohlbefinden. Laut Expertinnen kommt es dabei auch auf die Milieugestaltung im Pflegeheim an.

Ziel der Milieugestaltung ist es, die Autonomie und das Wohlbefinden von demenziell veränderten Menschen zu fördern.
Foto: Werner Krüper

Menschen in Pflegeheimen „sollten ihr persönliches Umfeld oder die jahreszeitliche Dekoration möglichst mitgestalten“, so Pflegeberaterin Katharina Wettich-Hauser und Ellen Temme, Gesamtleiterin Gerontopsychiatrie des UKM Heidelberg, in der Juli-Ausgabe der Zeitschrift Altenpflege.

Zudem sollte das Eigentum gerontopsychiatrisch erkrankter Personen immer gekennzeichnet sein. „In einer Gemeinschaftseinrichtung erscheint der Person das eigene Hab und Gut sonst immer gefährdet“, so die Expertinnen. Das sei eine Folge der schwindenden Orientierungsfähigkeit. „Die Person hat nicht mehr den vollen Überblick und fühlt sich dann nicht selten bestohlen.“

Wettich-Hauser und Temme empfehlen bei der Milieugestaltung außerdem, Bilder aufzuhängen, persönliche Gegenstände zu platzieren und die Türen der Einrichtung zu beschriften, um die Orientierung bestmöglich zu fördern.

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Alte Menschen mit einer Demenz werden in Pflegeeinrichtungen zunehmend zum Problem, und das aus mindestens zwei Gründen: Zum einen sieht sich unsere Gesellschaft vor ein quantitatives Problem gestellt, denn wie immens groß die Zahl dementer Menschen heute schon ist, und damit die Notwendigkeit, für sie abgestufte Möglichkeiten der Betreuung zu schaffen, beginnen die Sozialpolitiker jetzt erst zu begreifen. Das Auftreten einer Demenz, so scheint es, ist der Preis, den wir für die von vielen erstrebte Langlebigkeit zahlen müssen; eine Heilung durch die Medizin ist noch lange nicht in Sicht. Zum anderen fällt es den (noch gesunden) Pflegekräften und Therapeuten ungeheuer schwer, mit einer Klientel umzugehen, die zunächst nur durch ihre ausgeprägte, in nahezu allen Lebensbereichen spürbare Reduziertheit auffällt. Selbst einfachste Dinge des Alltags wollen den Betroffenen nicht mehr gelingen. Verwirrte, die scheinbar ziellos die Flure der Institution auf- und abgehen: Wie können wir ihrer Unruhe und Getriebenheit begegnen, wo doch ihre Sprache zunehmend verlorengeht und - welche Beleidigung für einen wachen Geist! - unsere Worte, unsere ganze zum Einsatz kommende Vernunft sie nicht mehr zu erreichen scheinen? Tatsächlich werden wir ganz schnell zu "hilflosen Helfern", wo der Mensch in der Demenz uns an unsere Grenzen bringt - wo die Situation uns ein Maß an Geduld und Einfühlungsvermögen abverlangt, das aufzubringen den meisten unmöglich ist und wofür sie, sollten sie dazu in der Lage sein, keinerlei Dankbarkeit von den Betroffenen erwarten können. Als Naomi Feil in den USA eine Gesprächsmethodik vorstellte, die sich speziell an dementen Menschen ausrichtet, wirkte ihr Vorgehen revolutionär. In Deutschland griff die Pädagogin und Psychogerontologin Nicole Richard das validierende Arbeiten früh auf, prüfte Vorgehen und theoretische Annahmen der amerikanischen Vorreiterin und befand, dass sie die Methode an entscheidenden Punkten modifizieren sollte. So entstand über mehrjährige Arbeit mit Dementen hinweg ihr Ansatz der "Integrativen Validation" (IVA®), und damit ein wichtiger Baustein im Methodenarsenal: eine Art Handwerkszeug, dessen Anwendung aus zuvor hilflosen Helfern wieder handlungsfähige Pflegekräfte und Therapeuten macht - Fachleute für den Umgang mit verwirrten Menschen, Profis also, die endlich wissen, was sie tun können, und die verstehen, wann bzw. warum sie gerade so agieren sollten. Vor allem aber dient der Ansatz den dementen alten Menschen, die sich wieder verstanden fühlen und darüber ruhiger, zufriedener werden - die spüren, dass da jemand eine Brücke hinüber in ihr Erleben zu bauen versteht.

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