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29. Nov 2022 | Personal

Helmut Wallrafen: „Die Eindämmung der Leiharbeit ist überfällig“

Die Sozial Holding Mönchengladbach sieht in der zunehmenden politischen Akzeptanz von Leiharbeit in der Altenpflege ein großes Problem. Nachdem das veraltete Pflegeverständnis „satt, sauber und still“ überwunden worden sei, gehe diese Entwicklung durch die Leiharbeit nun wieder dahin zurück, warnt Geschäftsführer Helmut Wallrafen.

Helmut Wallrafen, Geschäftsführer der Sozial-Holding Mönchengladbach
Helmut Wallrafen: "Nachdem wir uns vor mehr als 30 Jahren gegen das 'satt, sauber und still' in der Altenpflege aufgelehnt haben, finanzielle, wissenschaftliche und pflegefachliche Strukturen geschaffen wurden, [...] bewegen wir uns mit dem Ausbau und der politischen Akzeptanz der Leiharbeit wieder mit Höchstgeschwindigkeit auf 'satt, sauber und still' zu."
Foto: Sozial Holding Mönchengladbach

„Wenn die Beschäftigten in der Altenpflege alle in Leiharbeitsfirmen wechseln würden, weil ihnen dort mindestens der gleiche Lohn bei weniger bis keiner Verantwortung, flexibler Urlaub, individuelle Arbeitszeiten inklusive kein Dienst an Wochenenden, Dienstwagen und mehr geboten wird, wer arbeitet dann noch ‚rund um die Uhr‘, 24 Stunden an 365 Tagen, so wie wir es alle kennen, die irgendwann einmal den Pflegeberuf erlernt haben?“, so Wallrafen.

Passend dazu: Pflege-Talk mit Helmut Wallrafen zur Personalbindung

Es gebe dadurch kaum noch Anreiz für die Menschen in der Altenpflege, in „ihrem“ Unternehmen zu bleiben, die bundesdeutsche „Ich-AG“ sei in der Altenpflege angekommen. „Das, was uns jahrzehntelang motiviert hat: mit Kolleg:innen im Team qualifizierte Pflege zu leisten und dabei nicht aufzuhören, die Trägerstrukturen und Arbeitsstrukturen zu verbessern bzw. gesetzliche Verbesserungen zu fordern, droht von profitorientierten Leiharbeitsfirmen konterkariert zu werden“, mahnt Wallrafen.

Quantität vor Qualität?

Die Einhaltung gesetzlicher Regelungen, die Einhaltung pflegefachlicher Anforderungen wie etwa Expertenstandards sowie die Steuerung der Pflege und Betreuung, welche voraussetze, dass man die zu Betreuenden auch kennt, dürfe nicht hinter der rein quantitativen Vorhaltung von Personal zurückbleiben. „Die Eindämmung von Leiharbeit ist überfällig!“, findet Wallrafen und ruft dazu auf, die Initiative „Leiharbeit in der Altenpflege? - So nicht!“ der Sozial Holding Mönchengladbach zu unterstützen.

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2 Kommentare

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Unbekannter Nutzer

30. Nov 2022

Auch ich würde mir eine politische Initiative hierzu wünschen. Die Leiharbeit hat fachlich und wirtschaftlich (außer für die Firmeninhaber) ausschließlich Nachteile. Die bis zu 2,5-fachen Personalkosten gegenüber regulär (und zwar tarifbezahlten) Mitarbeitern "vernichten" Planstellen und nützen nur den Verleihern. Die privelegierten Leihkräfte (Wunsch-Dienstplan, keine Verantwortung im Rahmen der Bezugspflege oder bei Prüfungen) führen zur Spaltung der Teams, treiben die Fluktuation am Bewohner auf die Spitze und verhindern strategische Personal- und Teamentwicklung. Das Abwerben regulärer Mitarbeiter mit zum Teil unglaublichen Prämien ist Teil des Geschäftsmodels und verschärft die Not in den Einrichtungen. Der Boom der Leiharbeit ist natürlich nicht nur eine Folge der Pandemie, sondern auch der Fehler der Heimträger (Wertschätzung, Bezahlung) und der Politik (bürokratische Überregulierung) in der Vergangenheit. Um diese Fehler zu korrigieren ist jedoch ein Ausstieg aus der Leiharbeit im Gesundheitswesen Voraussetzung. Wenn die ca. 35.000 Leiharbeiter im Gesundheitssektor dem regulären Arbeitsmarkt zur Verfügung stünden wäre man auch schon einen Schritt weiter.

Unbekannter Nutzer

29. Nov 2022

Diese Diskussion finde ich ebenfalls als dringend erforderlich. Aus Sicht der Leiharbeitgeber muss es das Ziel sein, immer mehr Menschen in Leiharbeit zu bekommen, um dadurch Wachstum zu generieren. Darum werben die Firmen die in den Häusern angestellten Mitarbeitenden gezielt ab. Aus Sicht der Pflegeheimmitarbeitenden ist die Situation so: Was die Leiharbeitnehmer liegen lassen (bestimmte Dienstzeiten, Pflegedokumentation, ...), müssen wir auch noch erledigen. Aus Sicht der Heimbetreiber ist Leiharbeit teuer und behindert den Aufbau von leistungsstarken Teams gewaltig. Die Pflegebranche wird durch Leiharbeit ohne ein gezieltes Gegensteuern zusätzlich geschwächt.

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