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10. Apr 2018 | News

Pflegewissenschaftler widerspricht Spahn

Prof. Dr. Michael Isfort, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung (DIP) mit Sitz in Köln, hat die Hoffnung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gedämpft, mit der Anwerbung ausländischer Fachkräfte den Personalnotstand in der Pflege beheben zu können (wir berichteten).

Schlechte Bezahlung, beschränkte Kompetenzen: Prof. Dr. Michael Isfort vom Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung (DIP) hält das deutsche Pflegesystem international für "aktuell nicht konkurrenzfähig".Foto: privat

"Es ist ungeheuer kompliziert, Pflegekräfte im Ausland zu finden, sie in das deutsche Pflegesystem zu integrieren und sie auch langfristig zu halten", zitiert das Nachrichtenmagazin "Focus" den Pflegewissenschaftler. Nach dessen Einschätzung sei das deutsche Pflegesystem international "aktuell nicht konkurrenzfähig". Unter anderem, weil Bezahlung und Sozialprestige im europäischen Vergleich "eher schlecht" seien.

Die Arbeitsbelastung für Pflegende sei in Deutschland deutlich höher als anderswo, so Isfort. Zudem seien die Personalschlüssel niedriger, die Kompetenzen vielfach beschränkter und die Karrierechancen geringer als in anderen europäischen Ländern. Ausgebildete und gut qualifizierte Pflegekräfte zöge es deshalb eher nach Österreich, nach England oder in skandinavische Länder.

An dieser Situation, so der Experte des DIP, könne sich nur etwas ändern, wenn man hierzulande die nötigen Hausaufgaben mache: "Arbeitsbedingungen und Bezahlung in der Pflege müssen deutlich verbessert werden. Erst dann werden sich mehr junge Menschen für den Pflegeberuf entscheiden, Berufsaussteiger zurückkehren und Personen, die ihre Arbeitszeit wegen der hohen Belastung reduziert haben, wieder aufstocken."

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3 Kommentare

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Unbekannter Nutzer

13. Apr 2018

In dieser Woche hatten wir unsere alljährlich „Qualitätsprüfung“ durch dem MDK. Dabei ist uns mal wieder deutlich gemacht worden, welch hoher Stellenwert einer akkuraten Pflegedokumentation beigemessen wird. Das betrifft sowohl die differenzierte Darstellung, unmissverständliche Formulierung wie auch die Lesbarkeit der Eintragungen. Die Erfüllung dieser Aufgabe erfordert sprachliche Kompetenzen, die bei manchem Muttersprachler nicht vorzufinden sind. Wie sollen ausländische Pflege(fach)kräfte in hinreichender Zahl und innerhalb eines vertretbaren Zeitraums derartige Fähigkeiten erwerben? Nach meiner Erfahrung (35 Jahre) dauert das bei vielen deutlich länger als 10 Jahre. – Ich vermisse bislang bei Herrn Spahn einen Vorschlag zur Lösung unseres Personalproblems, der wenigstens einen Hauch von Wirksamkeit verspricht. Wirksamkeit wird Pflegeeinrichtungen gesetzlich abgefordert (siehe §29 SGB XI). Wäre doch schön, wenn auch Herr Spahn sich Wirksamkeit zum Ziel machen würde.

Unbekannter Nutzer

13. Apr 2018

Wer diese Lösung überhaupt als erstes ins Auge fasst hat die Probleme der Pflege in Deutschland offenbar immer noch nicht im Kern begriffen. Prof. Dr. Isfort hat absolut recht und ich bin sehr gespannt, wie wissenschaftsbasierte Personalzahlen ab 2020 aussehen, die Deutschland (Politik und Gesellschaft) bereit sind, zu zahlen. Thomas Lechner; Pflegefachkraft der WTG-Behörde

Unbekannter Nutzer

12. Apr 2018

Die Ausführungen von Prof. Dr. Isfort sollten um den Verhaltenskodex der WHO, dem die Bundesregierung sich verpflichtet fühlt, ergänzt werden. Dieser untersagt es, "Pflegpersonal aus Ländern zu rekrutieren, in denen Personalnotstand herrscht. Kritisch ist auch die Anwerbung aus Ländern zu bewerten, denen eine ähnliche demographische Entwicklung wie in Deutschland bevorsteht (vgl. BAGfW, 16.4.2014) Damit fallen als potentiell zu bewerbende Länder nicht nur die vielen europäischen Nachbarländer aus, in denen die Pflegekräfte besser gestellt sind als in Deutschland, sondern auch nahezu alle neuen Beitrittsländer der EU, in denen aufgrund der massiven Abwerbung von Pflegekräften in den letzten Jahren ebenfalls ein Pflegenotstand besteht. Die vorgetragene Idee der Anwerbung von Pflegekräften aus den Nachbarländern sieht bislang nicht nach einer tragenden Lösungsstrategie zum Fachkräftemangel in der Pflege aus. Irmgard Stremlau, Einrichtungsleiterin AWO Bildungszentrum Preetz

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