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16. Apr 2018 | News

"Wir brauchen die Kultur des aufmerksamen Blicks"

Immer wieder erregt die Berichterstattung über spektakuläre Fälle von Misshandlungen in Pflegeeinrichtungen große Aufmerksamkeit. Der Alltag ist komplexer, denn Gewaltereignisse in der Pflege haben unterschiedliche Formen und Ursachen. Das legen auch die Ergebnisse einer Befragung des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) nahe.

Foto: Werner Krüper

"Gewalt gegen pflegebedürftige Menschen kann viele Gesichter haben und fängt eben nicht erst beim Schlagen an", sagt Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender des ZQP, im Interview der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Altenpflege, die sich im Schwerpunkt dem Thema Gewalt in der Pflege widmet. Laut Suhr habe die Befragung im vergangenen Jahr klar ergeben, dass in der Pflegebeziehung auftretende Gewalt nur selten auf kriminelle Energie beim Täter oder niedere Beweggründe zurückzuführen sei, sondern in erster Linie aus fachlichen Fehlern resultiere. Nötig sei daher "die Kultur des aufmerksamen Blicks, des ständigen Lernens und der Weiterentwicklung", so Suhr. Das sei die Grundlage, um präventive Strukturen zu etablieren.

Diese Sicht der Dinge wird von Jürgen Osterbrink, Vorstand des Instituts für Pflegewissenschaft und -praxis an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg, in seinem Beitrag zum Thema bekräftigt. Seine Untersuchungen ergaben, dass Gewaltereignisse oft in der Pflegebeziehung selbst angelegt seien. "Gewalt in der Pflege hat immer eine Vorgeschichte", so Osterbrink, und werde meist durch das Zusammenspiel mehrerer Faktoren ausgelöst. In der institutionalisierten Pflege spielten zudem neben der direkten Gewalthandlung als weitere Erscheinungsformen die strukturelle Gewalt, etwa in Form von vorgegebenen Tagesstrukturen, und die kulturelle Gewalt, etwa in Form des vorherrschenden negativen Altersbildes, eine wichtige Rolle.

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