Kontinenzförderung: „Eine gute Qualifizierung ist entscheidend“


Diese Information wird Ihnen in Zusammenarbeit mit der PAUL HARTMANN AG zur Verfügung gestellt

Das Thema Kontinenzförderung braucht einen professionellen Umgang. Pflegeexperten leisten dazu einen wichtigen Beitrag – gleich auf mehreren Ebenen. Ein Gespräch mit Simone Hartmann-Eisele, Kursleitung der Weiterbildung „Pflegeexpertin/-experte für Kontinenzförderung“, die an der Agaplesion Akademie Heidelberg in Kooperation mit der PAUL HARTMANN AG erfolgt.

Simone Hartmann-Eisele ist Systemische Beraterin (M.A.), Diplom-Pflegepädagogin und Kursleitung der Weiterbildung „Pflegeexpertin/-experte für Kontinenzförderung“. 

Frau Hartmann-Eisele, wie viele Pflegeexperten zum Thema Kontinenz gibt es in Deutschland?
Das wissen wir nicht genau, da der Begriff Pflegeexperte oder auch Kontinenzberater nicht geschützt ist. Das Qualifizierungsangebot zum Thema Kontinenzförderung reicht von Tagesseminaren bis zur einjährigen Weiterbildung. Aktuell erfüllen nur sehr wenige Weiterbildungsangebote die Anforderungen der Deutschen Kontinenzgesellschaft – darunter auch unsere zum Pflegeexperten für Kontinenzförderung. Insgesamt spielt die Qualifizierung im Bereich Kontinenz in Deutschland noch eine sehr untergeordnete Rolle.

Wie ist das in anderen Ländern?
Ganz anders. In den meisten Ländern sind die Pflegeausbildung sowie alle fachlichen Spezialisierungen an Hochschulen angesiedelt. So gibt es beispielsweise in Großbritannien schon seit den 1970er-Jahren eine akademische Qualifizierung zum Thema Kontinenz, ebenso wie in den USA, Kanada oder Australien. Die Pflegenden haben in diesen Ländern einen ganz anderen Handlungsspielraum. Sie arbeiten in Kliniken, freiberuflich in Praxen oder lehren und forschen an Hochschulen. Hier gibt es in Deutschland noch viel zu tun.

Warum braucht es bei diesem Thema – über die Ausbildung hinaus – Expertenwissen?
Die Pflegeausbildung in Deutschland vermittelt das Basiswissen zum Thema Kontinenz. Blasen- und Darmfunktionsstörungen sind jedoch recht komplexe Themenfelder, die in Abhängigkeit von Alter, Geschlecht, Begleiterkrankungen und Lebenssituation der Betroffenen sehr unterschiedliche Anforderungen an deren pflegerische Unterstützung und Begleitung stellen. Zusätzlich benötigen Pflegende gute kommunikative und psychosoziale Kompetenzen, um zu diesem Tabuthema ins Gespräch zu kommen. Die Ausbildung allein kann das nicht vermitteln. Dabei ist das Thema gleich auf mehreren Ebenen so wichtig.

Welche Ebenen sind das?
In erster Linie ist es für die Betroffenen wichtig, aber auch für die Einrichtungen und Pflegenden.

Warum ist das Thema für die Pflegenden wichtig?
Kontinenzberatung ist ein sehr komplexes und unglaublich abwechslungsreiches Arbeitsfeld. Häufig genügen schon einfache Maßnahmen, wie ein verändertes Trink- oder Toilettenverhalten, um deutliche Verbesserungen zu erzielen. Ebenso spielen die Gestaltung einer kontinenzfreundlichen Umgebung und der Einsatz von Hilfsmitteln zur Förderung und Kompensation eine wichtige Rolle. Das Schöne dabei ist, dass Pflegende hier sehr autonom agieren können. Ich sage immer gerne: „Das Thema nimmt Ihnen keiner weg“ – denn auch Mediziner wissen, dass sie zu Fragen der gelingenden Alltagsgestaltung mit Inkontinenz meist nicht allzu viele Lösungsvorschläge parat haben.

Sie leiten die Weiterbildung zum Pflegeexperten Kontinenzförderung an der Agaplesion Akademie Heidelberg. Wie ist diese aufgebaut?
Es ist eine modularisierte Weiterbildung, die aus einem 5-tägigen Grundlagenseminar zur Fachkraft Kontinenzförderung und fünf weiteren 2- bis 4-tägigen Modulen besteht. Wer alle Module absolviert, erhält das Zertifikat „Pflegeexpertin für Kontinenzförderung“. Einige Module können aber auch einzeln gebucht werden. Zusätzlich bieten wir allen Absolventen des Grundlagenseminars ein jährliches Refresher-Seminar mit wechselnden Themen an. Alle Absolventen der Gesamtweiterbildung müssen nachweisen, dass sie sich kontinuierlich zum Thema weiterqualifizieren. Über diese Treffen ist auch ein wichtiges Netzwerk entstanden, in dem sich die Teilnehmer austauschen und Kontakte pflegen können. Das Grundlagenseminar bieten wir mit Unterstützung der PAUL HARTMANN AG seit 1995 an, die modularisierte Weiterbildung in der jetzigen Form seit 2014. Insgesamt laufen pro Jahr 2 bis 3 Kurse mit jeweils maximal 20 Teilnehmern.

Welche Inhalte umfasst die Weiterbildung?
Das reicht von medizinischen und pflegefachlichen Themen wie Blasen- und Darmfunktionsstörungen über Inhalte zur Gesprächsführung und Beratung bis hin zu einer Einführung in Pflegewissenschaft und Pflegeforschung. Die Experten sollen in der Lage sein, eigenständig Fragen zu recherchieren und Studien zu lesen und zu bewerten. Darüber hinaus vermitteln wir Querschnittskompetenzen, beispielsweise wie man Arbeitsgruppen moderiert, Fortbildungen gestaltet oder Projekte plant. Denn die Absolventen leiten als Pflegeexperte später häufig interdisziplinäre Qualitätszirkel, schulen ihre Kollegen und verantworten Projekte. Reines Pflegefachwissen reicht deshalb hier nicht aus.  
 
Werden die Absolventen auch in übergeordneten Funktionen eingesetzt?
Das ist unterschiedlich. Die meisten beginnen mit dem 5-tägigen Grundlagenseminar. Danach betrachten viele die Routinen in ihrer Einrichtung mit anderen Augen und leiten erste Veränderungen ein. Oft werden die Teilnehmer von ihrer Einrichtungsleitung angemeldet, mit der Vorstellung: Du machst die Weiterbildung und führst dann nebenbei bei uns den Expertenstandard ein. Das ist ein häufiger Fehlschluss. Der Expertenstandard lässt sich nicht mal eben so nebenbei implementieren. Hat die Einrichtung das erkannt, werden die Mitarbeiterinnen meist zu einem bestimmten Anteil freigestellt. Nur so haben sie die Möglichkeit, die wichtigen interdisziplinären Schnittstellen zu pflegen, die Kollegen zu schulen, Strukturen und Prozesse neu zu denken und dadurch wirklich etwas zu bewirken.

Inwieweit hat der Nationale Expertenstandard die Kontinenzförderung in der Pflege vorangetrieben?
Die Entwicklung ist durch den Expertenstandard sicherlich befördert worden. Ich nehme generell eine Zweiteilung wahr. Viele Einrichtungen haben den Standard zum Anlass genommen, ihre Strukturen anzupassen, ihre Mitarbeiter zu schulen und Experten zu qualifizieren. Dann gibt es andere Einrichtungen, in denen es lediglich zu einer Papier-Implementation gekommen ist. Die Leitungen sagen: Natürlich haben wir den Standard umgesetzt. Aber wenn man die Mitarbeiter fragt, sieht das ganz anders aus.
 
Was ist aus Ihrer Sicht besonders wichtig, um Menschen mit Inkontinenz bestmöglich zu pflegen?
Eine gute Qualifizierung ist entscheidend. Generell wünsche ich mir, dass das Thema die Aufmerksamkeit erfährt, die es auch für die Betroffenen hat. Eine gute Kontinenzberatung sollte immer an den Bedürfnissen und Wünschen des Betroffenen orientiert sein. Diese wünschen sich häufig nicht mehr und nicht weniger, als frei von Angst und Unsicherheit ein „normales“ Leben führen zu können. Das wieder zu ermöglichen, sollte im Zentrum all unserer Bemühungen stehen.

 
Mehr zur Weiterbildung finden Sie >> hier.

Der Kontinenzförderung kommt auch in der Vermeidung von Hautschäden wie einer Inkontinenz-assoziierten Dermatitis eine wichtige Rolle zu. Mehr erfahren Sie hierzu in unserem Dossier „Gesunde Haut – Wie gute Pflege schützen kann“.

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