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15. Apr 2019 |

Ressourcen und Fähigkeiten im Blick

Heike Jurgschat-Geer

Im Qualitätsbereich 1 der neuen Qualitätsprüfrichtlinie steht der Status von Mobilität und Selbstversorgung auf dem Prüfstand. Geschaut wird, wie es um die individuelle aktivierende Pflege bestellt ist.
Foto: Werner Krüper

Der Qualitätsbereich 1 in der neuen Qualitätsprüfrichtlinie (QPR) überprüft die Umsetzung einer individuellen aktivierenden Pflege in den Themenfeldern beziehungsweise Modulen Mobilität und Selbstversorgung. Dabei steht der Bewohner mit seinen Bedürfnissen und Bedarfen im Mittelpunkt. Eine unzureichende Unterstützung wird als eingetretene negative Folge für den Bewohner bewertet.

Der Qualitätsbereich 1 der Qualitätsprüfrichtlinie (QPR) umfasst die Qualitätsaspekte zu

In diesem Kontext erfolgt die Plausibilitätskontrolle zu folgenden in der Einrichtung erhobenen Informationen für die Ergebnisindikatoren:

Zunächst erfolgt durch den Mitarbeiter des MDK eine eigene Informationserfassung zu dem jeweiligen Bewohner der Stichprobe. Der Prüfer verschafft sich einen Überblick über die Versorgungssituation und den individuellen Bedarf des Bewohners. Im Anschluss betrachtet und bewertet er die Unterstützungsleistungen und die Versorgungssituation anhand von Leitfragen und stellt fest, ob es bei der Plausibilitätskontrolle Auffälligkeiten gibt.

Informationen erfassen und Plausibilität kontrollieren

Der Prüfer erhebt den Mobilitätsstatus des Bewohners und die Nutzung von Hilfsmitteln zur Mobilität und Lagerung. Besonderheiten wie Paresen werden ebenfalls festgehalten. Er verschafft sich ein Bild über das aktuelle Gewicht und den BMI sowie über das Gewicht vor drei und vor sechs Monaten. Dabei notiert er bei Gewichtsveränderungen bekannte Ursachen und die Einbindung des behandelnden Arztes.

Darüber hinaus hält er fest, ob Beeinträchtigungen bei der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme festzustellen sind. Werden Sonden oder Infusionen eingesetzt, erfasst der Prüfer die dazu relevanten Informationen wie etwa Art der Sonde oder Flussrate. Im Bereich der Ausscheidung werden Beeinträchtigungen der Kontinenz sowie die Nutzung mobiler, ableitender oder aufsaugender Hilfsmittel erfasst. Im Bereich der Körperpflege macht sich der Prüfer ein Bild davon, bei welchen Aktivitäten der Körperpflege Beeinträchtigungen vorliegen (zum Beispiel beim Duschen oder bei der Pflege des Unterkörpers) und erfasst den augenscheinlichen Pflegezustand des Bewohners. 

 

 

Eine Plausibilitätskontrolle erfolgt bei den Bewohnern, deren Informationen zum Stichtag für die Ergebnisindikatoren erhoben und die von der Datenauswertungsstelle (DAS) als Stichprobe gezogen wurden. In der Regel sind das sechs der insgesamt neun Bewohner. Die Einrichtung hält für den Prüfer den ausgefüllten Erhebungsbogen des Bewohners für die Ergebnisindikatoren bei Bedarf bereit.

In der Plausibilitätskontrolle erfolgt ein Abgleich, ob die erfassten Informationen für die DAS im Einklang mit den aktuellen Informationen stehen. Zunächst werden die Ergebnisse der Inaugenscheinnahme und der Informationserfassung am Prüfungstag mit den Daten im Erhebungsbogen verglichen. Des Weiteren wird die Plausibilität und Logik der Angaben zu Fähigkeiten und Beeinträchtigungen am Stichtag als solche überprüft. Da der Stichtag zur Datenerhebung für die Indikatoren und der Prüfungstag des MDK nicht deckungsgleich sind, kann und wird es durchaus Abweichungen zwischen den Fähigkeiten und Beeinträchtigungen zu diesen beiden Zeitpunkten geben. Diese werden im Fachgespräch zwischen Prüfer und Pflegefachkraft geklärt und gegebenenfalls durch Eintragungen in der Pflegedokumentation verifiziert. 

Sollte eine Aufklärung nicht möglich sein, wird die Auffälligkeit festgehalten. Beispiel: Ein Bewohner hatte kürzlich einen grippalen Infekt und einige Tage im Bett gelegen. Seither fühlt er sich unsicher und schwach, hat sich in der Selbstständigkeit beim Gehen und bei der Körperpflege verschlechtert. Der Arzt wurde involviert, für einige Tage wurden gezielte Beobachtungen im Bericht festgehalten und unterstützende zusätzliche Maßnahmen geplant. Die Abweichung ist nachvollziehbar und plausibel. Bei der Plausibilitätskontrolle kommt es auf ein stimmiges Gesamtbild an. Abweichungen zwischen den Fähigkeiten/Beeinträchtigungen des Bewohners zum Zeitpunkt der Datenerhebung und am Prüfungstag sind zu erwarten. In der Regel kennt die Pflegefachkraft die Ursachen und den Verlauf der Entwicklung. Beobachtungen zu Zustandsveränderungen des Bewohners wurden im Bericht festgehalten, eventuell wurde der Arzt involviert oder eine Evaluation durchgeführt.

Wenn die Informationen zu dem Bewohner erfasst und die Plausibilitätskontrolle durchgeführt wurden, betrachtet der Prüfer die Versorgungssituation mit Blick auf das angestrebte Qualitätsniveau anhand von Leitfragen differenzierter. Das Qualitätsniveau ist als Qualitätsaussage jedem Qualitätsaspekt vorangestellt und beschreibt die Erwartungen an die Dienstleistung der Einrichtung:

 

Bedarfsgerecht unterstützen sowie Risiken und Folgen einschätzen

Im Bereich Mobilität geht es um drei Kernaspekte:

  1. Die zielgerichtete Förderung der Selbstständigkeit in der Mobilität
  2. Die bedarfsgerechte Unterstützung bei Beeinträchtigungen
  3. Die Berücksichtigung mobilitätsbedingter Risiken (Sturz, Kontraktur etc.)

Für eine zielgerichtete Förderung ist Voraussetzung, dass der Bewohner noch Ressourcen hat und an seiner Mobilität mitarbeiten möchte. Ist diese Situation gegeben, sind im Maßnahmenplan gezielte Maßnahmen geplant, die mindestens zweimal wöchentlich durchgeführt werden. Zu einer bedarfsgerechten Unterstützung gehört, dass sich die geplanten Hilfeleistungen aus den Fähigkeiten und Beeinträchtigungen des Bewohners ableiten und eine angemessene Versorgung mit passenden Hilfsmitteln umschließen. Die Unterstützung in der Mobilität beinhaltet auch einen mehrfach wöchentlichen Aufenthalt im Freien, sofern dies von dem Bewohner gewünscht ist.

Im dritten Punkt werden die bekannten Aspekte einer pflegefachlichen Einschätzung der Risiken sowie daraus resultierender Prophylaxen betrachtet. Diese beschränken sich allerdings nicht auf Sturz, Dekubitus und Kontraktur, sondern betreffen alle im Einzelfall relevanten Risiken wie etwa Pneumonie oder Obstipation. Sollten bei der Betrachtung der Leitfragen Auffälligkeiten festgestellt werden, sind diese vom Prüfer danach zu bewerten, welche Folgen für den Bewohner daraus resultieren:

In der Mobilität fallen unberücksichtigte Dekubitus- oder Sturzrisiken sowie eine fehlende Mobilitätsförderung in die Bewertung der Kategorie C. Mangelt es an der Unterstützung zur Fortbewegung, zum Umgang mit Hilfsmitteln in der Fortbewegung oder zu Aufenthalten im Freien ist eine negative Folge für den Bewohner und damit ein Defizit der Kategorie D eingetreten.

Im Bereich der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme steht die Einschätzung zu den Risiken Mangelernährung und Dehydration sowie entsprechende bedürfnisgerechte Maßnahmen im Vordergrund. Dazu gehört auch die Kommunikation mit dem Arzt und eventuell die Einbindung weiterer Therapeuten. Darüber hinaus kommt auch in diesem Punkt die angemessene und fachgerechte Versorgung mit Hilfsmitteln zum Tragen. Ein Risiko negativer Folgen für den Bewohner wird gesehen, wenn Risiken nicht beachtet werden oder die Kostform nicht auf den Bewohner korrekt angepasst wird. Als eingetretene negative Folgen zählen neben einer Dehydration und einem unerwünschten relevanten Gewichtsverlust, wenn Wünsche des Bewohners nicht berücksichtigt werden oder die Unterstützung beim Essen und Trinken unzureichend ist.

Im Bereich der Kontinenz wird sowohl die Harn- als auch die Stuhlkontinenz ins Auge gefasst. Inhaltlich sind die Schwerpunkte analog zum Aspekt Ernährung gesetzt. Es geht um die fachliche Einschätzung des Kontinenzstatus einschließlich der Bestimmung des Kontinenzprofils nach dem Expertenstandard, die Planung individueller Maßnahmen, die sich aus dem Status und den Bewohnerwünschen ableiten und der fachgerechten Versorgung mit Hilfsmitteln. Hierbei ist ebenfalls zu berücksichtigen, dass die genutzten Hilfsmittel dem Kontinenzprofil entsprechen. In die C Kategorie fallen Defizite in der individuellen Maßnahmenplanung oder in der Einhaltung erforderlicher Hygienestandards. Als eingetretene negative Folgen werden Hautschädigungen durch mangelnde Hygiene oder nicht bedarfsgerecht durchgeführte Maßnahmen formuliert. Nicht bedarfsgerecht könnte beispielsweise sein, wenn anstatt möglicher Toilettengänge ausschließlich Inkowechsel durchgeführt werden. 

Im Bereich der Körperpflege stehen neben der hygienisch korrekten und bedarfsgerechten Unterstützung auch die Hautbeobachtung und der Umgang mit Hautauffälligkeiten im Fokus. Darüber hinaus sind die Bedürfnisse der Bewohner im Sinne der Selbstbestimmung und dem Schutz der Intimsphäre zu ermitteln und in der Maßnahmenplanung zu berücksichtigen. Negative Folgen sind beispielsweise ein schlechter Pflegezustand, eine Verletzung der Intimsphäre oder die Nicht-Beachtung individueller Bewohnerwünsche bei der Körperpflege.

Wünsche der Bewohner berücksichtigen

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass im Qualitätsbereich 1 die individuelle aktivierende Pflege des Bewohners überprüft wird. Fachliche Grundlage sind die Expertenstandards. Die Berücksichtigung der Bewohnerwünsche in der Planung und Durchführung der Maßnahmen wird explizit als Qualitätsmerkmal formuliert. Eine Nicht-Beachtung führt zu einem Defizit mit eingetretener negativer Folge der Kategorie D.

Eine stärkere Bedeutung erfährt auch der bedarfsgerechte und auf die individuellen Ressourcen abgestimmte Einsatz von Hilfsmitteln, soweit dieser im Einflussbereich der Einrichtung liegt. Wenn ein Bewohner trotz Beratung ein Hilfsmittel ablehnt, der Arzt das Hilfsmittel nicht verordnet oder der Kostenträger das Hilfsmittel nicht bewilligt, wird dieser Umstand der Einrichtung nicht angelastet.

Jurgschatgeer

Heike Jurgschat-Geer

Beratung im Gesundheitswesen und Entwicklung, Veränderung, Implementierung von Kernprozessen in Pflegeeinrichtungen

Dieser Artikel ist erschienen in der Zeitschrift Altenpflege.

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