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Integration im „Großformat“: Wie ein Pflegeheim 28 tunesische Azubis begleitet

Die Seniorenresidenz Harburg geht neue Wege gegen den Fachkräftemangel: 28 tunesische Azubis haben dort ihre Ausbildung begonnen. Einrichtungsleitung Dorsaf Toukabri setzt in ihrer Einrichtung bewusst auf Integration.

Gruppenbild von 28 tunesischen Pflege-Auszubildenden, die ihre Pflegeausbildung in der Seniorenresidenz Harburg begonnen haben. Einge halten eine kleine Zuckertüte in der Hand.
28 tunesische Auszubildende haben ihre Pflegeausbildung in der Seniorenresidenz Harburg begonnen. Foto: Tino Schaft

Warum das Haus ausbildet und keine Pflegefachpersonen holt

Die Seniorenresidenz Harburg mit 98 Bettplätzen hat 28 neue Auszubildende für den Ausbildungsstart Anfang und Mitte 2025 aus Tunesien aufgenommen. Anders als andere Einrichtungen sucht Einrichtungsleiterin Dorsaf Toukabri bewusst keine ausgebildeten Pflegefachpersonen, sondern gewinnt ausländische Abiturienten und Hochschulabsolventen für eine Pflegeausbildung. Oftmals scheitern solche Versuche, weil ausländische Auszubildende nach wenigen Monaten in Krankenhäuser wechselten. „Sie sind nicht integriert worden“, analysiert sie. In Krankenhäusern hätten sie ihre Landsleute getroffen und würden besser einbezogen.

Unterstützung von Anfang an erforderlich

Die jungen Auszubildenden aus Tunesien haben Marketing, Biologie, Chemie oder Wirtschaft studiert. Sie seien motiviert, Deutschland und seine Kultur kennenzulernen. „Wir wollen die Kultur richtig erleben, wir wollen Kontakte und das Land kennenlernen“, sagten die Azubis laut Toukabri. Insbesondere der Kontakt zu älteren Menschen ermögliche es ihnen, viel über Deutschland zu erfahren, die deutsche Sprache weiter zu vertiefen und zu beherrschen.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt laut Toukabri in der konsequenten Integration. Der Heimbetreiber compassio unterstützt bei Wohnungssuche und Erstausstattung. Die Azubis leben in WGs zusammen und gehen zusammen zur Berufsschule. Zwei tunesische Praxisanleiter im Haus und ein Berufsschullehrer mit tunesischen Wurzeln an der Berufsschule erleichtern den Start. Die Bewerbungsgespräche führt Toukabri auf Deutsch über Skype.

Hoher Männeranteil überrascht

Auffällig ist der hohe Männeranteil unter den tunesischen Azubis und auch beim bereits bestehenden Personal der Einrichtung. „Ich glaube, die Pflege ist attraktiver geworden, als viele denken“, erklärt Toukabri.

Ihr Rat für andere Einrichtungen: „Genau hinschauen und integrieren.“ Das Personal auf den Wohnbereichen und die Praxisanleiter müssten als Mentoren fungieren. „Das muss alles zusammenpassen“, betont sie. Nur so könne verhindert werden, dass sich die Azubis andere Einrichtungen suchten, die sie besser integrierten.

Passend dazu: Integration ist Führungsaufgabe. Lernen Sie auf dem PDL Praxis-Tag am 13. März 2026 in Köln, wie Sie Veränderungsprozesse in Ihrer Einrichtung erfolgreich gestalten. Anmelden für alle kommenden Altenpflege-Kongresse…