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Hitzewelle bringt Pflegeheime an ihre Grenzen
Temperaturen von teilweise über 40 Grad haben am Wochenende zu dramatischen Szenen in deutschen Pflegeheimen geführt. Bewohner:innen kollabierten und mussten evakuiert werden. Experten fordern Sofortmaßnahmen und mehr Geld für Klimaschutz.
Notfälle in mehreren Einrichtungen
In Krefeld kollabierten fünf Senioren wegen der extremen Hitze im Dachgeschoss eines Altenheims. Die Feuerwehr brachte sie ins Krankenhaus und verlegte knapp 40 weitere Bewohner in kühlere Stockwerke. Der Einsatz dauerte sechs Stunden.
Noch dramatischer die Lage in Dormagen: Dort holte die Feuerwehr 16 Bewohner aus einem überhitzten Seniorenheim und brachte sie ins Krankenhaus. 30 weitere Senioren wurden in eine andere Einrichtung verlegt. In der Nacht war ein Bewohner gestorben – ob die Hitze ursächlich war, prüft die Polizei. Bei Temperaturen bis zu 35 Grad räumten die Einsatzkräfte die oberen Etagen und brachten fast 170 betroffene Senioren zunächst in die kühlere Cafeteria.
Strukturelle Probleme werden sichtbar
Die Vorfälle machen ein grundsätzliches Problem deutlich: Viele Einrichtungen haben keine Klimaanlagen. „Das Bochumer Pflegeheim, in dem ich arbeite, hat keine eingebaute Klimaanlage“, berichtet die 60-jährige Pflegefachkraft Silke Behrendt laut dpa. Vielen Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen fehlt eine energetische Sanierung.
Michael Morjan, Einrichtungsleiter im Altenzentrum Oedt, wünscht sich eine Klimaanlage für Speisesaal und Aufenthaltsraum. „Aber für Installation, Strom und Wartungen der Geräte fehlt das Geld“, sagt er. Mobile Klimageräte müssen Bewohner:innen selbst kaufen.
Bewohner:innen und Personal leiden
Die Hitze belastet nicht nur körperlich. „Die Bewohner sind deutlich unruhiger im ganzen Verhalten, schlafen schlechter, kommen weniger zur Ruhe“, schildert Pflegedienstleiterin Anja Thyssen. Manche nehmen nicht mehr an Aktivitäten teil. In einem Bewohnerzimmer zeigte das Thermometer 29,6 Grad, trotz eigenem Klimagerät.
Das Personal stößt an Grenzen. Pflegefachkraft Behrendt spürt den Leistungsabfall „körperlich wie kognitiv“. Mit den höheren Temperaturen steigen die Ausfallzahlen beim Personal. „Wir machen eine körperlich schwere Arbeit, aber natürlich muss man sich auch hoch konzentrieren“, erklärt sie.
Sofortmaßnahmen gefordert
Die Deutsche Stiftung Patientenschutz mahnt rasche Maßnahmen an. Vorstand Eugen Brysch fordert von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) und Bundesklimaminister Carsten Schneider (SPD) verbindliche Investitionen noch in diesem Jahr. „Bereits jetzt leiden viele der 800.000 Heimbewohner:innen unter den extremen Temperaturen“, sagt er.
Die Grünen fordern einen „Aktionsplan gegen den Hitze-Hammer“ mit einem Sofortprogramm zur Klimatisierung von Pflegeeinrichtungen. Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge schlägt ein neues Förderprogramm des Bundes vor: „Volles Tempo beim Ausbau von Klimaanlagen in Verbindung mit Solaranlagen“ sei nötig.
Hitzeaktionspläne als Lösung?
Die Pflegekammer NRW fordert verbindliche Hitzeaktionspläne in allen Einrichtungen des Gesundheitswesens. Bisher sind diese freiwillig. Die Pläne sollen konkrete Maßnahmen wie kühle Fußbäder, Trinkprotokolle oder Aufklärungsgespräche mit Angehörigen festhalten.
Einrichtungsleiter Morjan steht einer Verpflichtung aufgeschlossen gegenüber: „Wenn man mich verpflichtet, Dinge zu tun, dann muss man auch Sorge dafür tragen, dass ich sie umsetzen kann.“ Die Finanzierung bleibt das zentrale Problem.
Quelle: dpa, epd
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