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„Altenpflege im Fokus“: Studie zeigt, wie es um die Pflege steht

Deutlicher könnte ein Urteil kaum ausfallen: 95 Prozent von über 1.000 befragten Pflegenden aus der Langzeitpflege finden, dass die politisch Verantwortlichen die Probleme in der Pflege nicht verstanden haben. Die Studie „Altenpflege im Fokus“ des Vincentz Network in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) zeigt, wo die größten Herausforderungen liegen und was jetzt passieren muss, damit Pflegende ihr Potenzial entfalten können.

Altenpflege im Fokus
Fotos: Werner Krüper

Der Pflegenotstand nimmt zu

Laut einem Großteil der Befragten (94 Prozent) hat sich der Fachkräftemangel in den letzten zwei Jahren weiter verschärft. In der Folge fällt es den meisten beruflich Pflegenden (92 Prozent) zunehmend schwer, eine gute und qualitätsvolle Pflege zu gewährleisten. Zugleich steigt dadurch die Verantwortungsspanne für die einzelne Pflegefachperson.

Zwar gibt es einen deutlichen Wunsch, mehr Verantwortung zu übernehmen: Die Ausweitung der Kompetenzen in der Pflege – inklusive erweiterter Pflegepraxis und der Verankerung neuer beruflicher Rollen im Leistungsrecht – sollte aus Sicht von 90 Prozent der Befragten politisch jetzt Priorität haben. Allerdings müssten dafür auch die Rahmenbedingungen stimmen. Etwa die Vergütung, die noch immer mehrheitlich als nicht leistungsgerecht empfunden wird.

Großer Wunsch nach beruflicher Entwicklung

Die Befragten haben eine große Bereitschaft sich beruflich weiterzuentwickeln – durch eine Weiterbildung (62 Prozent) oder ein Studium (29 Prozent). Mehr als jeder Dritte spielt aber auch mit dem Gedanken, den Pflegeberuf zu verlassen (37 Prozent) oder zumindest den Arbeitgeber zu wechseln (35 Prozent). Von den Arbeitgebern erwarten die Befragten insbesondere Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie eine bessere Personalausstattung.

Während die Bundesregierung bei der Bekämpfung des Fachkräftemangels unter anderem auf die Anwerbung von Pflegefachpersonen aus dem Ausland setzt, sieht nur jede dritte befragte Pflegeperson darin die Lösung des Personalnotstands. Vielerorts ist es noch nicht gelungen, ausländische Mitarbeitende erfolgreich in das eigene Pflegeteam zu integrieren. Das gibt fast die Hälfte (46 Prozent) der Befragten an.

Politik und Arbeitgeber in der Pflicht

„Die Ergebnisse sind […] ein klarer Auftrag an die Politik, tätig zu werden – schon allein, um die miesen Vertrauenswerte zu steigern“, so die DBfK-Geschäftsführerin Dr. Bernadette Klapper. „Es ist allerhöchste Zeit, dass Politik und Arbeitgeber den Worten Taten folgen lassen, damit die Pflegenden endlich den Rückhalt und die Unterstützung spüren, die sie dringend brauchen. Für eine gesicherte Zukunft der Versorgung aller pflegebedürftigen Seniorinnen und Senioren auf dauerhaft gutem Qualitätsniveau!“, mahnt Miriam von Bardeleben, Chefredakteurin der Fachzeitschrift Altenpflege des Vincentz Network.

Weitere Themen der Befragung waren:

  • Balance zwischen Qualitätserzeugung und -kontrolle
  • Digitale Arbeitsprozesse in der Pflege
  • Ausbildungspraxis und Entwicklung der Generalistik
  • Kompetenzorientierter Personaleinsatz
  • Persönliche berufliche Weiterentwicklung
  • Pflegepolitik: Erwartungen und Handlungsfelder
  • Qualitätsprüfung und Qualitätsindikatoren

Mit der Umsetzung dieser Online-Befragung war das Marktforschungsinstitut Cogitaris GmbH in Mainz beauftragt. Befragt wurden 1.042 Pflegefachpersonen, Pflegeassistenzkräfte, Praxisanleitende, Wohnbereichsleitungen und Pflegedienstleitungen in der Langzeitpflege.

Den gesamten Report mit allen Zahlen und Grafiken finden Sie hier.
Mehr über die Ergebnisse der Umfrage lesen Sie in der Fachzeitschrift Altenpflege 11/2023.