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Licht am Ende des Tunnels für „stambulant“-Modell

34 Bürgermeister setzen ihre Hoffnungen seit Jahren auf das kostensparende Pflegekonzept, jetzt wurde die gesetzliche Zulassung für September in Aussicht gestellt. Konzept-Entwickler und BeneVit-Geschäftsführer Kaspar Pfister kritisiert bürokratische Hürden.

Kaspar Pfister, Gründer und Eigentümer der BeneVit Gruppe
"Für die Umsetzung von stambulant reicht die jetzige Formulierung im Gesetz nicht aus. Es sollen die Details durch die Spitzenverbände definiert werden, die dafür 12 Monate Zeit bekommen sollen", sagt Kaspar Pfister, Geschäftsführer der BeneVit-Gruppe. Foto: Benevit Gruppe/Jens Boesenberg

Nach fast einem Jahrzehnt erfolgreicher Praxis und mehrfacher positiver wissenschaftlicher Evaluation soll das „stambulant“-Modell in der Pflege im September endlich gesetzlich zugelassen werden. Wissenschaftler, Verbände, Einrichtungsbetreiber, Angehörige und Pflegekunden unterstützen das Konzept vehement – doch einige Hürden sind noch zu nehmen.

Erhebliches Einsparpotenzial nachgewiesen

Das „stambulant“-Modell, auch als „MitMach-Heim“ bezeichnet, verspricht beeindruckende wirtschaftliche Vorteile: Bewohner können ihren Pflege-Eigenanteil um 1.000 Euro monatlich reduzieren, während Pflegekassen nachweislich bis zu 7.200 Euro pro Bewohner und Jahr einsparen können. Bei flächendeckender Einführung könnte das Pflegesystem jährlich um Milliarden Euro entlastet werden – bei gleichzeitiger Qualitätssteigerung.

Projekte in Wartestellung

„Die zwei Projekte, die in diesem Jahr in Meßstetten und Biederbach in Baden-Württemberg begonnen werden sollten, starten wir erst, wenn die gesetzliche Grundlage feststeht“, erklärt Kaspar Pfister, Entwickler des „stambulant“-Konzepts. Der Baubeginn musste wegen fehlender gesetzlicher Regelungen bereits mehrfach verschoben werden. Betroffen sind Pläne für ein Ärztezentrum, zwei kommunale Kindergärten, barrierefreie Wohnungen, Tagespflege und 100 stambulante Pflegeplätze mit einer Investitionssumme von rund 25 Millionen Euro – ohne öffentliche Fördergelder.

Kritik am aktuellen Gesetzentwurf

Trotz der Hoffnung auf Zulassung kritisiert Pfister den aktuellen Gesetzentwurf: „Für die Umsetzung von stambulant reicht die jetzige Formulierung im Gesetz nicht aus. Es sollen die Details durch die Spitzenverbände definiert werden, die dafür 12 Monate Zeit bekommen sollen.“ Im parlamentarischen Verfahren sollen nun Korrekturen erfolgen, um das Modell unbürokratisch zu ermöglichen.

Dritter Anlauf zur gesetzlichen Verankerung

Nach zwei gescheiterten Versuchen einer gesetzlichen Verankerung bleibt Pfister skeptisch, aber investitionsbereit: „Wenn ich stambulant so umsetzen darf, wie es sich in der Praxis in 9 Jahren bewährt hat, investiere ich 100 Millionen Euro in neue Projekte. Wenn nicht, lasse ich es sein!“

Der Pflege-Reformer plädiert für eine grundlegende Vereinfachung des Systems: Leistungen sollten ausschließlich nach Bedürftigkeit und nicht nach der Wohnform gewährt werden. „Warum wird Pflege in Deutschland immer komplizierter?“, fragt Pfister und kritisiert, dass trotz des täglichen Mangels an bezahlbaren Pflegeplätzen bewährte Lösungsansätze ausgebremst werden.