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Wird die Kontinenzförderung in der Pflege vernachlässigt?

Mit dem Expertenstandard zur Kontinenzförderung in der Pflege liegt umfassendes Wissen parat, wie die Kontinenz konsequent unterstützt werden kann. Aber ist das auch gelebte Praxis? Experte Siegfried Huhn bezweifelt das.

Kontinenz, Inkontinenz
Foto: Werner Krüper

„Nahezu alle Bewohnerinnen und Bewohner mit Harninkontinenz haben eine ‚abhängig kompensierte Inkontinenz'“, so Huhn in „Pro  & Contra“ in der Juli-Ausgabe der Fachzeitschrift Altenpflege. Eine Förderung der Kontinenz im Sinne einer Verbesserung scheine unwahrscheinlich. Das werde von allen Beteiligten resignativ zur Kenntnis genommen und der Schwerpunkt deshalb auf die Versorgung mit körpernahem aufsaugendem Hilfsmittel gelegt – etwa Inkontinenzvorlagen. „Eine am Einzelfall orientierte Förderung der Harnkontinenz wird überwiegend nicht erwogen beziehungsweise gleich ausgeschlossen“, so Huhn. Dadurch werde das Gesamtthema Kontinenzförderung aber auch bei allen anderen Bewohnerinnen und Bewohnern vernachlässigt.

Woran liegt das? Weniger an mangelndem Wissen, sondern vielmehr an den knappen Zeitreserven in der Pflege und der entsprechenden Prioritätensetzung, so Huhn. Außerdem orientiere die Versorgungspraxis sich noch immer vor allem an den Defiziten. „Pflegeprobleme dominieren die Planung im Alltag. Kontinenz bzw. Inkontinenz werden nicht unter Förderaspekten betrachtet, sondern eher situativ und kaum über den kurzfristigen Erfolg hinaus reflektiert.“

Siegfried Huhn
Siegfried Huhn ist Krankenpfleger, Pflegewissenschaftler und langjähriger Pflegeberater