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Telemedizin im Heimalltag: Chancen und Voraussetzungen

Im Seniorenzentrum Haus am See in Brüssow erproben Pflegekräfte den Einsatz von Telemedizin mit Tablet und Messkit. Sie verkürzt Wege, unterstützt Entscheidungen und setzt Schulung, klare Abläufe sowie eine stabile Infrastruktur voraus. In der aktuellen Ausgabe der Altenpflege (09/2025) gibt Charlotte Biermann einen Einblick in die Nutzung der Telemedizin im Seniorenzentrum.

Mitarbeiterin in der Altenpflege bedient ein Tablet
Eine Mitarbeiterin in der Altenpflege bedient ein Tablet. Foto: Werner Krüper

Das Seniorenzentrum der Stephanus gGmbH nutzt seit rund zwei Jahren ein Telemedizin-System im Alltag. Aktuell profitieren etwa 40 von 60 Bewohner:innen davon. Die Einsätze erfolgen vor allem per Videosprechstunde mit externen Ärzt:innen, begleitet von mobilen Messungen vor Ort. Ziel ist, rasch medizinische Einschätzungen zu erhalten, unnötige Kliniktransporte zu vermeiden und die Versorgung für weniger mobile Menschen zu verbessern. Pflegekräfte berichten, dass sich Entscheidungswege verkürzen und Angehörige schneller informiert werden können.

Technik und Einsatz
Das System besteht aus einem Tablet mit App und einem Metallkoffer, der verschiedene Messgeräte enthält. Dazu gehören eine Blutdruckmanschette, ein digital angebundenes Stethoskop und ein Lesegerät mit Funktionen für EKG, Sauerstoffsättigung und weitere Messwerte. Pflegekräfte erfassen die Werte direkt im Zimmer, übertragen sie in die Videosprechstunde und besprechen Befunde mit Ärzt:innen. Die Technik ist auf die Bedienung durch Pflegepersonal ausgelegt, erfordert aber gezielte Schulung, regelmäßige Funktionsprüfungen und klar definierte Abläufe.

Nutzen und Herausforderungen
Telemedizin erleichtert die Versorgung in ländlichen Regionen und für bewegungseingeschränkte Bewohner:innen. Sie kann Reaktionszeiten verkürzen, Therapien beschleunigen und das Team entlasten. Herausforderungen zeigen sich bei der Akzeptanz, bei Netzstabilität und bei der datenschutzkonformen Integration der Daten in die Pflegedokumentation. Dauerhafte Nutzung braucht verbindliche Abläufe, Zeitfenster für Anwendung sowie Unterstützung durch Träger und ärztliche Partner. Pflegekräfte können akute Symptome dokumentieren und Messdaten zur ärztlichen Entscheidungsfindung bereitstellen. Die Praxis zeigt, dass Telemedizin interdisziplinäre Abstimmung fördert und Nachsorge erleichtert. Eine skalierte Einführung sollte lokale Netzbedingungen und Fortbildungsbedarf berücksichtigen. Das stärkt Versorgungssicherheit und reduziert Belastung für Teams dauerhaft.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie im aktuellen „Telemedizin im Praxistest“ der Fachzeitschrift Altenpflege (09/2025). https://www.altenpflege-online.net/epaper/