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Bayern: Pflegebegutachtungen steigen deutlich – Medizinischer Dienst fordert Veränderungen

In Bayern verdoppelte sich binnen zehn Jahren die Zahl der Pflegebegutachtungen. Der Medizinische Dienst fordert, Vorsorge und Rehabilitation stärker zu fördern, um Pflegebedürftigkeit zu verzögern.

Der Medizinische Dienst ist für viele Betroffene der erste professionelle Ansprechpartner, wenn es um die Pflege geht. AdobeStock/photographee.eu (Symbolbild).

Die Zahl der Pflegebegutachtungen in Bayern steigt seit Jahren spürbar. Im Jahr 2024 führten Gutachterinnen und Gutachter des Medizinischen Dienstes Bayern knapp 370.000 Begutachtungen in der Pflege durch. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Anstieg von über 12 Prozent. Seit 2014 hat sich die Zahl der Begutachtungen damit nahezu verdoppelt. Das ist eines der zentralen Ergebnisse des ersten bayernweiten Reports Pflegebedürftigkeit.

Besonders auffällig: Sieben von zehn begutachteten Personen erhielten die Empfehlung für Pflegegrad 2 oder höher und wiesen damit erhebliche Einschränkungen in ihrer Selbstständigkeit auf. Bei den Erstbegutachtungen wurde in knapp der Hälfte der Fälle ein Pflegegrad 2 oder höher, und bei weiteren 30 Prozent Pflegegrad 1 empfohlen.

Steigenden Begutachtungszahlen und wachsender Unterstützungsbedarf

„In der öffentlichen Debatte sprechen viele mit Blick auf die anstehenden Reformen in den Sozialsystemen vom sogenannten heißen Herbst. In der Pflege erleben wir diesen schon seit Jahren – mit deutlich steigenden Begutachtungszahlen und wachsendem Unterstützungsbedarf bei den Versicherten in Bayern“, erklärt Prof. Dr. Claudia Wöhler, Vorstandsvorsitzende des Medizinischen Dienstes Bayern.

„Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung wird sich dieser Trend weiter fortsetzen. Die gute Nachricht: Pflegebedürftigkeit ist kein unveränderbarer Zustand. Durch passgenaue Präventions- und Rehabilitationsmaßnahmen kann der Verlauf einer Pflegebedürftigkeit verlangsamt oder gar unterbrochen werden. Und genau hier müssen wir ansetzen.“

Präventions- und Entlastungsangebote

Der Medizinische Dienst ist für viele Betroffene der erste professionelle Ansprechpartner, wenn es um die Pflege geht. Neben der Einstufung in Pflegegrade können die Gutachterinnen und Gutachter frühzeitig auf Präventions- und Entlastungsangebote hinweisen. Das Ziel: Pflegebedürftigkeit so lange wie möglich hinauszögern und die Selbstständigkeit im eigenen Zuhause erhalten. Im Jahr 2024 wurde laut bayerischem Pflegereport bei 60 Prozent der begutachteten Personen mindestens eine Empfehlung ausgesprochen, beispielsweise für Heil- oder Hilfsmittel oder wohnumfeldverbessernde Maßnahmen. Innerhalb der Erstbegutachtungen erhielten sogar 78 Prozent der Begutachteten eine Empfehlung.

„Wir können es uns schlichtweg nicht leisten, Prävention weiterhin stiefmütterlich zu behandeln. Vielmehr ist die Vorsorge eine zentrale Investition in die Zukunftsfähigkeit unseres Gesundheitssystems“, appelliert Wöhler.

„Die Kompetenz unserer Gutachterinnen und Gutachter in diesem Bereich muss deswegen endlich im Sinne einer ganzheitlichen Begleitung ausgeschöpft werden. Das bedeutet konkret: Der Medizinische Dienst Bayern übernimmt eine Lotsenfunktion im Versorgungssystem. Menschen mit komplexem Unterstützungsbedarf erhalten neben der Beratung auch eine Begleitung und Hilfestellung, um die Leistungen, die ihnen auf dem Papier zustehen, auch wirklich zu erhalten. Denn viele Menschen können Informationen ohne zusätzliche Unterstützung kaum eigenständig koordinieren und umsetzen.“

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