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Sachsen-Anhalt veröffentlicht erste umfassende Demenzstrategie

Sachsen-Anhalt hat erstmals eine umfassende Demenzstrategie veröffentlicht, die vom Landeskabinett beschlossen wurde. Mit rund 56.000 Menschen mit Demenz – etwa jede 38. Person – ist das Land stärker betroffen als jedes andere Bundesland. Bis 2060 wird sich die Zahl voraussichtlich verdoppeln.

"Demenz ist eine Herausforderung, der wir uns als Gesellschaft stellen müssen. Sie betrifft nicht nur Menschen mit Demenz, sondern auch ihre Familien und Angehörigen", sagt Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne. Foto: MS/Viktoria Kuehne

An der Erarbeitung der Strategie wirkten rund 700 Akteure aus allen Landkreisen und kreisfreien Städten mit. Neben Vertretern aus Gesundheitswesen, Pflege, Sozialverbänden, Wissenschaft und Kommunen beteiligten sich auch Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen.

„Demenz ist eine Herausforderung, der wir uns als Gesellschaft stellen müssen. Sie betrifft nicht nur Menschen mit Demenz, sondern auch ihre Familien und Angehörigen“, betonte Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne. Die Strategie schaffe einen verbindlichen Rahmen, um gesellschaftliche Teilhabe, Würde und Selbstbestimmung von Menschen mit Demenz zu stärken.

Schwerpunkt auf häuslicher Versorgung

Da viele Menschen mit Demenz möglichst lange zu Hause leben möchten, will das Land Unterstützungs- und Alltagsbegleitungsangebote ausbauen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf wohnortnaher, leicht zugänglicher Beratung. Alle Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen sollen künftig individuelle, demenzspezifische Beratungs- und Schulungsangebote erhalten können – unabhängig vom Wohnort.

Vier zentrale Handlungsfelder

Die Strategie beschreibt 40 Ziele in vier Handlungsfeldern:

Gesellschaftliche Teilhabe: Förderung demenzfreundlicher Lebenswelten durch Sensibilisierung der Öffentlichkeit, demenzsensible Gestaltung von Sozial- und Wohnräumen sowie Ausbau von Begegnungsmöglichkeiten.

Medizinische und pflegerische Versorgung: Demenzsensible Gestaltung der Versorgung von der Diagnostik bis zur palliativen Begleitung, Schließung von Versorgungslücken und Stärkung der Fachkompetenz.

Unterstützung von Familien: Ausbau wohnortnaher Beratungsangebote, Stärkung der Selbsthilfe und präventive Programme für Angehörige zur besseren Vereinbarkeit von Pflege und Beruf.

Forschung: Förderung innovativer Lösungen für Prävention, Pflege und Versorgung sowie Aufbau einer regionalen Forschungsnetzwerkstruktur.

Landeskompetenzzentrum koordiniert Umsetzung

Das 2022 initiierte Landeskompetenzzentrum Demenz an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg unter Leitung von Prof. Dr. Gabriele Meyer unterstützt die Umsetzung durch Schulungsformate, Informationsbereitstellung und Koordinierung von Maßnahmen.

Corinna Beutel von der AOK Sachsen-Anhalt betonte stellvertretend für die gesetzlichen Pflegekassen: „Nun gilt es, die Strategie umzusetzen und aus dem Fördermodus in eine dauerhafte, institutionelle Struktur zu überführen.“