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Arzneimitteltherapiesicherheit in der Pflege oft unterschätzt
Arzneimitteltherapiesicherheit ist seit mehreren Jahren als Masterstudiengang etabliert und für die Pflege hochrelevant. Die aktuellen Ausgabe des Fachmagazins Altenpflege zeigt, dass AMTS keine Theorie ist, sondern praxisnah umgesetzt werden kann. Gerade in der Altenpflege ist das Thema entscheidend, da viele Bewohner:innen mehrere Medikamente erhalten, die im Alter schlechter verstoffwechselt werden. Nebenwirkungen werden häufig als neue Erkrankungen fehlinterpretiert. Dies führt zu zusätzlicher Medikation und verstärkt einen riskanten Kreislauf.
Lücken im System
Trotz hoher Relevanz bleibt AMTS in der Pflege oft unbekannt. Ursachen sind gewachsene strukturelle Defizite und Wissenslücken. Pflege, Medizin und Pharmazie arbeiten nicht ausreichend verzahnt zusammen. Fehler entlang der Versorgungskette summieren sich in der Pflege. Gleichzeitig bestehen Machtgefälle und eingefahrene Annahmen, die die Rolle der Pflege schwächen. AMTS zielt darauf, Pflegefachkräfte zu stärken und ihnen eine aktive Rolle auf Augenhöhe zu ermöglichen.
Umsetzung in der Praxis
AMTS lässt sich im eigenen Arbeitsumfeld umsetzen. Zwei Bausteine sind zentral. Erstens die fachliche Sensibilisierung des Teams, um schädliche Medikamente zu erkennen und in Abstimmung abzusetzen. Zweitens die sichere Umsetzung durch geeignete Strukturen, insbesondere ein Medikationssystem auf Basis der Originalverpackung. Dadurch lassen sich Nebenwirkungen reduzieren und die Lebensqualität der Bewohner:innen verbessern.
AMTS als Gewinn im Pflegealltag
Ein Praxisbeispiel zeigt, wie AMTS im Pflegealltag wirkt. In einer Einrichtung mit hoher Arbeitsdichte und Fachkräftemangel wurde ein struktureller Ansatz gesucht. Medikamente wurden als potenziell schädlich erkannt, insbesondere wenn sie außerhalb der Originalverpackung gelagert werden. Die Folgen banden zusätzliche Zeit. Gleichzeitig fehlte dadurch die Zeit für fachliche Auseinandersetzung. Es entstand ein Teufelskreis, der das Gefühl verstärkte, nur noch ausführend tätig zu sein.
Durch die Einführung von AMTS wurde die Rolle der Fachkräfte gestärkt. Die gewonnene Zeit floss in die Analyse von Wirkungen und Nebenwirkungen. Strukturelle Anpassungen wie neue Medikamentenräume, tägliche Vorbereitung statt wöchentlichem Stellen und ein System auf Basis der Originalverpackung verbesserten Abläufe. Die Zahl der Medikamente konnte reduziert werden. Gleichzeitig wurde die Zusammenarbeit mit Apotheke und Verordnern intensiviert, wodurch Pflegefachkräfte als Partner auf Augenhöhe agieren konnten.
Weitere Informationen zur Diskussion finden Sie im aktuellen „Schwerpunkt“ der Fachzeitschrift Altenpflege (04/2026). https://www.altenpflege-online.net/epaper/
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