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Ausbildungsberufe: Pflegende verdienen überdurchschnittlich – aber auch genug?

Unter den Ausbildungsberufen haben Pflegefachpersonen ein überdurchschnittlich hohes Gehalt. Darauf hat das Statistische Bundesamt nach einer aktuellen Auswertung hingewiesen. Ob die Bezahlung jedoch auch angemessen ist, darüber gehen die Meinungen weit auseinander.

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Foto: AdobeStock/Stockfotos MG

Laut Statistischem Bundesamt verdienten Vollzeit arbeitende Pflegefachpersonen in der Altenpflege im April 2023 durchschnittlich 3.920 Euro und in der Krankenpflege 4.067 Euro. Zum Vergleich: Bei den Ausbildungsberufen insgesamt lag der durchschnittliche Verdienst im selben Zeitraum bei 3.714 Euro.

Wichtig: Für den Vergleich herangezogen wurden ausschließlich Berufe mit anerkannter Berufsausbildung. Der Brutto-Durchschnittslohn aller Berufe liegt mit 50.250 Euro pro Jahr bzw. 4.187 Euro pro Monat (Stepstone-Gehaltsreport 2024) über den errechneten Pflegelöhnen.

Gewerkschafter warnen vor falschen Schlüssen

Der Bundesvorsitzende der Pflegegewerkschaft BochumerBund, Marcus Jogerst-Ratzka, kritisiert in einer Stellungnahme an die Fachzeitschrift Altenpflege die Methodik des Statistischen Bundesamts: „Bei den genannten Zahlen handelt es sich um Durchschnittsgehälter, beispielsweise sind auch die Gehälter berücksichtigt, die an Pflegefachpersonen mit langer Berufserfahrung ausgezahlt werden.“

Tatsächlich berechnet das Statistische Bundesamt Durchschnitts- und keine Median-Werte. Letztere gelten zumindest bei Gehaltsvergleichen mit einer großen Spannweite als präziser. Laut Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit beträgt das Median-Einkommen (Vollzeit) für Pflegefachpersonen in der Altenpflege 3.611 Euro (Stand 2022).

Kein Grund zum Feiern

Jogerst-Ratzka bewertet aber auch die ausgewiesenen Gehaltswerte als nicht angemessen für die Pflegeberufe und verweist auf wissenschaftliche Zahlen: „Schon 2018 hatte […] eine Untersuchung zum Gender-Pay-Gap festgestellt, dass das Einstiegsgehalt einer Pflegefachperson bei über 4.000 Euro liegen müsste. Dass wir nun im Jahr 2023 nach einer massiven Inflation zwischen 3.920 und 4.067 Euro Durchschnittsgehalt bei den Pflegefachpersonen liegen, ist deshalb keine gute Nachricht.“ Mittlerweile müsse das Einstiegsgehalt 4.500 Euro betragen, um mit anderen Berufen gleichzuziehen, so Jogerst-Ratzka.

Arbeitgeber sehen sich bestätigt

Anders blicken Arbeitgeber auf die Zahlen. Der Präsident des bpa-Arbeitgeberverbands, Rainer Brüderle, sieht dadurch „nun endgültig die Mär von den niedrigen Löhnen in unserer Branche [widerlegt]“. Die Beschäftigten hätten neben einem sicheren Job auch eine überdurchschnittlich gute Bezahlung und es sei Zeit, „dass Politik, Gewerkschaften und Verbände die guten Löhne zur Kenntnis nehmen und die Diskussion über angeblich schlechte Löhne ad acta legen“. Wer jetzt noch über niedrige Löhne diskutiere, der verkenne die wahren Probleme der Altenpflege, kommentiert Brüderle.

Entgegen der Wahrnehmung auf der Arbeitgeberseite ist die Gehaltsfrage jedoch alles andere als ein Phantom-Problem. In der repräsentativen Umfrage „Altenpflege im Fokus 2023“ der Redaktion Altenpflege und des Vincentz Network in Zusammenarbeit mit dem DBfK gaben nur 26 Prozent der befragten Pflegefachpersonen aus der Langzeitpflege an, das Verhältnis von Leistung und Vergütung als angemessen zu empfinden. Auch bei Praxisanleitenden und Wohnbereichsleitungen zeigte sich nur jeder Dritte zufrieden mit dem Gehalt.

Gute Pflege braucht gutes Gehalt

Gewerkschafter Jogerst-Ratzka hält es für problematisch, wenn immer wieder der Eindruck erweckt werde, „Pflegefachpersonen würden doch gut verdienen“. Zum einen helfe es den Tarifpartnern beim Bemühen um eine angemessene Bezahlung nicht weiter. Zum anderen sei die Gehaltsfrage nicht nur ausschlaggebend für die Anzahl der Pflegefachpersonen, sondern darüber hinaus auch für deren Qualität in Zukunft.