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AWO-Aktion: Ältere beschreiben Gefühle des Alleinseins

Berührende Aktion in AWO Einrichtungen zwischen Nordsee und Osnabrücker Land in Niedersachsen: So sieht Einsamkeit im Alter aus.

Gunhild Voigt aus dem AWO Haus am Burggraben in Leer schreibt zu ihrem berührenden Bild: "Einsam ist's durchs Leben zu wandern. Keiner kennt den Anderen. Jeder ist allein." Bild: Gunhild Voigt / AWO.

Schwarz und grau die Striche, Wirrwarr, Kälte, Leere im Gefühl: Einsamkeit und Alleinsein sind schwer in Worte zu fassen, noch schwieriger in Bildern zu beschreiben. Zahlreiche Bewohnerinnen und Bewohner von AWO Einrichtungen zwischen Nordsee und Osnabrücker Land haben sich dennoch daran versucht – und tatsächlich beeindruckende Dokumente erschaffen.

Mit ihnen will die AWO Weser-Ems nun in der gesamten Region auf das Tabu-Thema aufmerksam machen, gleichsam Hilfen aufzeigen und gegenwirken.

„Nachhaltig beeindruckt“

„Im Alltag bemühen wir uns ja insbesondere, lähmende Gedankenspiralen zu durchbrechen und positive Momente für die Bewohnerinnen und Bewohner zu produzieren“, sagt Anja Härtel, bei der AWO Weser-Ems Referentin für Betreuung und Ergotherapie, „sie jetzt aber gerade mit diesen doch eher vertrauten traurigen Eindrücken zu konfrontieren und aktiv damit auseinandersetzen zu lassen, hat auch uns nachhaltig beeindruckt. Die Rückmeldungen sind jedoch allesamt sehr positiv – und die Ergebnisse könnten nicht nur bei Beteiligten und Angehörigen, sondern vielleicht ja auch im weiteren Umfeld ein Umdenken anstoßen.“

Denn was die Bilder und Sätze zeigen, ist weit mehr als eine bloße hobbykünstlerische Aufbereitung. Sie sind ein Einblick in ganz subjektive Empfindungswelten, Momente der Tristesse – aber auch der Hoffnung auf den Wandel.

„Der Kopf ist LEER. Ich bin traurig, kein Interesse, ich bin müde“, hat Heinz Döring (88) in Wilhelmshaven auf eine Leinwand gemalt. Gunhild Voigt aus Leer malte sich selbst auf einer Parkbank mit Blick in die Ferne, alles in Schwarz und Weiß, und schreibt dazu: „Keiner kennt den Anderen. Jeder ist allein.“ Therese im AWO Wohnzentrum Esens, immerhin schon 90 Jahre alt, hätte zwar nichts gegen eine weitere Person auf ihrem Zimmer, benötige aber auch „viel Luft um mich herum“.

Abgeschoben, am Boden – aber auch mehr Nähe zu sich selbst

Manche fühlen sich von „meiner Familie abgeschoben“, andere wünschen sich, „einfach mal in den Arm genommen zu werden“ oder gar nicht „mehr an den Boden gebunden“ zu sein. Es sind Bilder und Worte, die oftmals keiner Interpretation bedürfen, die voller Klarheit wiedergeben, wie dieses Gefühl der Einsamkeit auf Herz und Kopf einwirkt.

Dann gibt es aber auch jene, die sich mit und in ihrem Leben arrangiert haben, sogar positive Seiten entdecken. „Ich bin von vielen Menschen umgeben, die es gut mit mir meinen und immer ein liebes Wort für mich haben“, schreibt Bärbel. Ingeborg verweist auf die wohltuende Stille im Wald, und im Marianne-Sternberg-Haus haben gleich mehrere Bewohner*innen für sich festgestellt, dass die Ferne von früherem Leben und Erfahrungen auch mehr Nähe zu sich selbst bedeuten mag.

Info: Auf der Website www.awoweserems.pageflow.io/einsamkeit finden Sie weitere Bilder, Beschreibungen und Informationen zu der AWO-Aktion.

Passend dazu: Gemeinsam gegen Einsamkeit: „Post mit Herz“ verbindet Menschen