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Diskussion: Interessenvertretungen warnen vor Abschaffung von Pflegegrad 1
Seit einiger Zeit kursieren Gerüchte, die schwarz-rote Koalition plane die Abschaffung von Pflegegrad 1. VdPB und Landespflegekammer Rheinland-Pfalz warnen vor den Folgen.
Aus Sicht von Pflegefachpersonen würde eine Abschaffung von Pflegegrad 1 vielen Menschen den Zugang zu wichtigen Unterstützungsleistungen nehmen und beruflich Pflegende zusätzlich belasten.
„Pflegegrad 1 ist ein wichtiger Einstieg für Menschen, die erste Einschränkungen ihrer Selbstständigkeit erleben“, erklärt Dr. Markus Mai, Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz. „Er eröffnet den Zugang zu Beratungsangeboten durch Pflegefachpersonen, zu Hilfsmitteln, Zuschüssen für Wohnraumanpassungen und zum monatlichen Entlastungsbetrag. Auch wenn keine direkten Geld- oder Sachleistungen gewährt werden, bietet er die Möglichkeit, frühzeitig Hilfen zu organisieren und Verschlechterungen vorzubeugen.“
„Präventiver Ansatz durch pflegerische Maßnahmen“
„Der Pflegegrad 1 wurde seinerzeit explizit geschaffen und ausformuliert, um frühzeitig niederschwellige Unterstützungsbedarfe – insbesondere bei beginnenden demenziellen Erkrankungen – abzufangen“, betont Michael Wetterich, Vizepräsident der Vereinigung der Pflegenden in Bayern (VdPB). „Das ermöglicht unter anderem professionell Pflegenden, einen präventiven Ansatz durch pflegerische Maßnahmen zu verfolgen. Damit leistet der Pflegegrad 1 einen wichtigen Beitrag zum möglichst langen Verbleib in eigener Häuslichkeit und selbstständiger Lebensführung.“
Und weiter: „Das ist für die Betroffenen meist das Beste und für die Pflegeversicherung immer die günstigste Versorgung. Dabei ist noch nicht einmal berücksichtigt, wie sehr pflegende An- und Zugehörige durch die Leistungen im Pflegegrad 1 entlastet werden. Wir dürfen nicht vergessen, dass sie den Löwenanteil der Betreuung und Unterstützung tragen.“
Pflegebedarf veschwindet nicht einfach
Die VdPB weist außerdem darauf hin, dass der Pflegebedarf nicht einfach verschwinde, wenn der Pflegegrad 1 abgeschafft würde. Er könne sich im Gegenteil schnell erhöhen, wenn keine niederschwellige und präventive Versorgung mehr möglich sei, und so in die höheren Pflegegrade führen. Vermutlich komme es sogar zu einer wenig wünschenswerten „Flucht“ in höhere Pflegegrade.
„Statt vorzuschlagen, mit der Abschaffung des Pflegegrads 1 Geld der Pflegeversicherung auf Kosten der Menschen mit geringerem Pflegebedarf zu sparen, wäre es unserer Ansicht nach deutlich nachhaltiger, fachlich fundierte Pflegeprävention zu fördern und insbesondere für geringere Unterstützungsbedarfe zu stärken. Je besser und länger wir schwere Pflegebedürftigkeit verhindern oder zumindest hinauszögern können, desto stärker sinken die Kosten in den höheren Pflegegraden“, gibt Wetterich zu bedenken und fügt hinzu: „Dass kurzsichtiges Sparen auf Dauer immer viel teurer wird, sehen wir seit Jahren an der maroden Infrastruktur und den nun erforderlichen enormen Investitionen. Diesen Fehler sollten wir in der Pflege auf keinen Fall wiederholen.“
Passend dazu: Bericht: Abschaffung von Pflegegrad 1 im Gespräch
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