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Forschende stellen frühe Demenz-Diagnose in Frage

Eine systematische Übersichtsarbeit zeigt einen Widerspruch auf: Weltweit fordern Experten und Expertinnen eine frühe Demenz-Diagnose, doch wissenschaftliche Belege für deren Nutzen sind rar.

Altenpflegerin redet mit einer dementen Bewohnerin.
Etwa 60 Prozent der Bewohner:innen stationärer Pflegeeinrichtungen sind von psychischen Erkrankungen, wie Demenz, Depressionen oder Angststörungen betroffen. Der Umgang mit diesen Krankheitsbildern stellt auch die Mitarbeiter vor große Herausforderungen. Foto: Werner Krüper

Britische Forschende haben die Evidenz für frühe Demenz-Diagnosen untersucht und dabei einen überraschenden Befund gemacht. Trotz umfassender Suche in fünf großen Datenbanken fanden sie laut der im „Journal of Dementia and Alzheimer’s Disease“ veröffentlichten Studie nur vier Untersuchungen, die den Nutzen einer frühen gegenüber einer späten Diagnose direkt verglichen.

Die vier Studien aus den Jahren 2018 bis 2021 umfassten insgesamt 37.341 Menschen mit Demenz und 1.409 Angehörige aus Europa und den USA. Lediglich eine Studie zeigte einen klaren Vorteil: Das Sterberisiko war bei früher Diagnose um 9 bis 23 Prozent geringer. Bei kognitiven Fähigkeiten, Alltagskompetenzen oder Krankenhausaufenthalten fanden die Wissenschaftler keine signifikanten Unterschiede.

Besonders auffällig: Nur eine Untersuchung befasste sich mit der subjektiv empfundenen „rechtzeitigen“ Diagnose. Angehörige, die die Diagnose als zu spät empfanden, litten stärker und länger unter emotionalem Stress.

Die Autoren um Ben Hicks von der University of Nottingham kritisieren, dass globale Demenz-Leitlinien eine frühe Diagnose befürworten, ohne dass ausreichende wissenschaftliche Grundlagen dafür existieren. Sie fordern prospektive Langzeitstudien, die psychosoziale und kontextuelle Faktoren einbeziehen.

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