Ausbildung
Generalistische Pflegeausbildung: Drei Erkenntnisse aus den ersten Absolventenjahrgängen
Die Pflegeausbildung steht wie keine andere im Fokus der Öffentlichkeit, insbesondere seit Einführung der Generalistik. In der Auswertung der ersten Absolventenjahrgänge durch das Statisitsche Bundesamt zeigen sich zugleich Erfolge wie auch große Baustellen.
Erkenntnis 1: Azubis sind prüfungssicher
Das Gute zuerst: Die Auszubildenden, die zur Abschlussprüfung angetreten sind, haben eine überragende Erfolgsquote. Auf rund 33.600 erfolgreiche Absolventen der Ausbildung kommen lediglich 702 Personen, die die Prüfung endültig nicht bestanden haben. Somit haben rund 98 Prozent der Prüflinge bestanden. Damit liegt die Erfolgsquote in der Pflegeausbildung höher als bei den dualen Ausbildungsberufen insgesamt (90,9 Prozent im Jahr 2022 laut Statista).
Erkenntnis 2: Viele brechen vorzeitig ab
Dem entgegen steht allerdings eine sehr ernüchternde Zahl: Ein erheblicher Teil der Auszubildenden tritt gar nicht zur Abschlussprüfung an. 38 Prozent des ersten Ausbildungsjahrgangs haben ihr Ausbildungsverhältnis vorzeitig gelöst, also die Ausbildung ohne Abschluss abgebrochen. Laut Sozialmanager Dr. Stefan Arend, der den Pflegeausbildungsindex erstellt, zeigen sich hier gravierende Unterschiede der Pflege im Vergleich zu anderen Gesundheitsberufen. So hätten etwa die Ergotherapie mit 16,5 Prozent, die Physiotherapie mit 24,8 Prozent und die Logopädie mit 30,7 Prozent deutlich geringere Auflösungsquoten bei der Ausbildung, ordnet Arend in Wissenschaft & Forschung in der September-Ausgabe der Fachzeitschrift Altenpflege ein.
Erkenntnis 3: Spezialisierte Abschlüsse sind irrelevant
Zwar bieten noch zehn Bundesländer im dritten Lehrjahr spezialisierte Abschlüsse in den Bereichen Altenpflege oder Gesundheits- und Kinderkrankenpflege an. Zumindest in der Theorie, da diese nicht an allen Schulen zur Auswahl stehen. Allerdings haben die spezialisierten Abschlüsse kaum Bedeutung. 99 Prozent der Absolventen haben sich für einen generalistischen Abschluss entschieden, weniger als 0,4 Prozent für die Spezialisierung Altenpflege. Von Letzterer raten Experten auch explizit ab. So hat etwa Uwe Machleit, Schulleiter der Augusta Akademie für Pflegeberufe, eindringlich vor der Spezialisierung Altenpflege gewarnt, da diese ein eingeschränktes Kompetenzprofil aufweise und die Absolventen keine Chance hätten, international als Pflegefachperson anerkannt zu werden.
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