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Neue Konzepte für Demenz: praxisnahe Ansätze im Fokus

Innovative Betreuungskonzepte für Menschen mit Demenz stehen im Mittelpunkt der Messekongress-Session „Zukunft Demenz: Neue Konzepte im Fokus. Wissenschaft und Praxis im Dialog über innovative Versorgungsansätze“ auf der ALTENPFLEGE 2025. Christian Löbel und Gabriele Naskrent geben Einblicke in ein einzigartiges Modell, das im AWO Julie-Kolb-Seniorenzentrum in Marl umgesetzt wird: die „Gammeloase“.

Seniorinnen im Sessel
Einfach mal sitzen lassen und nichts tun ist völlig normal in Deutschlands erster Gammeloase (Symbolbild). „Lassen Sie das Trainieren und sorgen Sie endlich für Wohlbefinden“, fordert Wohnbereichsleiter Christina Löbel seine Kolleg:innen auf. Kongressbesuchende sind herzlich eingeladen, auf der Big Stage mit ihm und weiteren Referierenden der Session zu neuen Versorgungsformen bei Demenz ins Gespräch zu kommen. Foto: Werner Krüper

Was erwartet die Kongressbesucher:innen in Ihrer Session, die Sie mit Ihrer Kollegin Gabriele Naskrent, einer Betreuungsassistentin mit gerontopsychiatrischer Zusatzqualifikation, und weiteren Akteuren aus der Demenzversorgung gestalten?

Die Teilnehmenden dürfen sich auf ein neues praxisnahes Konzept der Demenz Care freuen, das nun schon seit fast zwei Jahren im AWO Julie-Kolb-Seniorenzentrum in Marl zusammen mit 14 demenziell veränderten Bewohner:innen in Marl gelebt wird. Da die beiden Referenten in Deutschlands erster Gammeloase von Anfang an arbeiten, können sie ganz praktische Erfahrungen aus erster Hand mitteilen.

Wie funktioniert ein Seniorenzentrum, das nahezu alle strukturellen Bedingungen aufhebt?

In keinem anderen Konzept für die Arbeit mit Menschen mit Demenz haben wir eine so radikale Orientierung an der Autonomie der Bewohner:innen mit Demenz gefunden. Uns ist wichtig, dass die Betroffenen die Regie für ihre Pflege und Betreuung behalten – trotz Demenz. Das bedeutet, dass allein die Bewohner:innen entscheiden, wie, wann und durch wen sie betreut und gepflegt werden möchten. Alle Mitarbeiterinnen reagieren somit auf die aktuellen Befindlichkeiten und Wünsche der Bewohner:innen. Keine Aktivitäten werden daher im Voraus geplant.

Wie sieht der Alltag in Ihrem Wohnbereich ganz praktisch aus? Können Sie das an einem Beispiel verdeutlichen?

Das Therapeutische Gammeln orientiert sich am Normalitätsprinzip – der Alltag mit den zu Pflegenden mit Demenz bestimmt die Betreuungsarbeit. Zum Beispiel nehmen die Mitarbeiter:innen zusammen mit den Bewohnerinnen die Mahlzeiten gemeinsam ein. Hierbei gibt es keine Zeitvorgaben und keinen festen Ort für das Essen. Die Bewohner:innen entscheiden auch hierbei selbständig. Die Mahlzeiten werden dann eingenommen, wenn die zu Pflegenden mit Demenz das Bedürfnis zeigen. Zudem gibt es keine Weck- oder Zubettgehzeiten.

Was heißt das für die Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Berufsgruppen im Heim?

Das Konzept des „Therapeutischen Gammelns“ betont den Hauptfokus auf die Betreuungsarbeit, die durch alle Mitarbeiter:innen, also auch der Pflege und der Hauswirtschaft, geleistet wird. Des Weiteren ist die Angehörigenarbeit ein integraler Bestandteil. Mit einem offenen, verstehenden Ansatz werden Angehörige in den Alltag integriert.

Gabriele Naskrent, Christian Löbel, Julie Kolb Seniorenzentrum, Marl

Gabriele Naskrent und Christian Löbel sind Teil der Big-Stage-Session am zweiten Messetag.

Die Teilnehmenden der Big-Stage-Session „Zukunft Demenz“ am 9. April 2025 von 11:30 Uhr bis 13 Uhr erfahren unter anderem, wie ein konsequent personenzentrierter Ansatz dazu beitragen kann, den Einsatz von Psychopharmaka zu reduzieren und die Lebensqualität von Menschen mit Demenz nachhaltig zu verbessern. Lydia Kassing, Einrichtungsleitung und PDL im Seniorenzentrum Marien-Hospital GmbH zeigt, wie Einrichtungen mit personzentrierter Haltung zum Ziel kommen und teilt Erkenntnisse aus dem Projekt „OPESA“ zur Reduktion von Psychopharmaka. Und Prof. Thomas Boggatz blickt aus Sicht der Wissenschaft auf neue Versorgungsansätze für den Umgang mit Demenz. Im Anschluss gibt es reichlich Raum für Austausch und Diskussion auf der Bühne – mischen Sie sich ein, teilen Sie Ihre Erfahrungen und lassen Sie sich inspirieren.

Passend dazu: Lydia Kassing im Interview über Opesa

Das vollständige Programm des Messekongresses und Tickets:

www.altenpflege-messe.de