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Personalbemessung neu gedacht: Wie kompetenzorientierter Einsatz in der Praxis wirklich gelingt
Die Weiterentwicklung der Personalbemessung (PeBeM) in der Pflege ist derzeit das große Thema in der stationären Langzeitpflege. Doch wie kommt die Theorie eigentlich in der Praxis an? Auf dem Messekongress der ALTENPFLEGE 2026 gaben drei hochkarätige Referent:innen tiefe Einblicke in die Ergebnisse der Modellprojekte zur Stärkung eines qualifikations- und kompetenzorientierten Personaleinsatzes.
Prof. Dr. Heinz Rothgang und Prof. Dr. Ingrid Darmann-Finck von der Universität Bremen stellten die wissenschaftliche und die konzeptionelle Perspektive vor. Dr. Christian Weiß, Geschäftsführer der Sozialteam Gruppe berichtete von der Umsetzung in seiner Modelleinrichtung.
Die Wissenschaft: Mehr Personal reicht nicht ohne Organisationsentwicklung
Prof. Dr. Heinz Rothgang machte gleich zu Beginn deutlich, dass mehr Personal und ein neuer Personalmix – mit mehr Assistenzkräften – zwar essenziell sind, aber ins Leere laufen, wenn die Arbeitsorganisation nicht angepasst wird. Das Zauberwort lautet KUBA (Kompetenz- und Bewohnerorientierte Arbeitsorganisation). Dabei geht es darum, die Bezugspflege mit den tatsächlichen Kompetenzen der Mitarbeitenden zu verknüpfen.
Dass dieser Ansatz wirkt, belegen die Zahlen der Evaluation deutlich: Die Arbeitszufriedenheit stieg, die Pflegequalität verbesserte sich und die Bewohner:innen profitierten von einer höheren Lebensqualität. Ein zentraler Erfolg der Umstrukturierung: „Der Anteil der unterqualifiziert erbrachten Interventionen hat sich halbiert“ so Rothgang. Das bedeutet: Hilfskräfte machen seltener Aufgaben, die eigentlich Fachkräften vorbehalten sind – und umgekehrt.
Prof. Dr. Ingrid Darmann-Finck ergänzte dies durch das konkrete Umsetzungskonzept. Sie betonte, dass die Einrichtungen durch Instrumente wie Selbst- und Fremdeinschätzungsbögen unterstützt werden. Ein theoretisch fundiertes Qualifikationsmixmodell hilft dabei, Pflegemaßnahmen nach Schwierigkeitsgrad zu ordnen. So übernehmen beispielsweise Pflegehilfskräfte (QN2) die körpernahe Versorgung bei Pflegegrad 1 bis 3, während Fachkräfte für Pflegegrad 5 oder gesundheitlich instabile Situationen zuständig sind. Das gesamte Material für diesen Change-Prozess ist frei über den GKV-Spitzenverband abrufbar.
Der Praxis-Fokus: Erfahrungen aus der Modelleinrichtung von Dr. Christian Weiß
Dr. Christian Weiß, Geschäftsführer der Sozialteam Gruppe, hat das Modellprojekt im Senioren-Servicehaus in Waldershof (78 Plätze, Hausgemeinschaftskonzept) umgesetzt. Sein Fazit macht Mut, zeigt aber auch, dass der Weg Arbeit bedeutet.
1. Partizipation ist der Schlüssel
Eine Umstellung von oben herab funktioniert nicht. Eine Steuerungsgruppe aus allen Professionen (PDL, Wohnbereichsleitung, Fach- und Assistenzkräfte) übernahm die Gestaltung.
2. Transparenz nimmt Ängste
Die Kompetenzen der Mitarbeitenden zu bewerten, schürt zunächst Bedenken. Weiß rät zu offener Kommunikation: Es geht nicht darum, Fehler aufzudecken, sondern gezielt Schulungsbedarf zu erkennen und Aufgaben sinnvoll zu verteilen. So wurde beispielsweise etabliert, dass Fachkräfte (QN4) eher einrichtungsübergreifend mit Spezialgebieten (z. B. Wundversorgung) agieren, während QN2- und QN3-Kräfte auf Wohnbereichsebene gestärkt werden.
3. Mut zum Ausprobieren
Der Weg zur neuen Organisation verlief nicht schnurgerade. Mit Stecktafeln und Post-its an Glasscheiben wurde experimentiert und verworfen. Weiß brachte es treffend auf den Punkt: „Der Prozess ist eigentlich die Veränderung.“
Fazit für die Pflegepraxis
Der kompetenzorientierte Personaleinsatz ist kein theoretisches Luftschloss, sondern ein handfestes Werkzeug gegen Überlastung und für mehr Qualität. Oder wie Dr. Christian Weiß es aus Unternehmer- und Pflegesicht zusammenfasst: „…das Ergebnis muss ja sein, einerseits mehr Zeit am Bewohnenden zu haben, aber andererseits auch attraktive Arbeitsplätze zu bieten.“ Er findet: Der kurzfristige Aufwand der Umstrukturierung lohnt sich durch den langfristigen Mehrwert enorm.
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