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Pflegepraxis: Streit um Wirksamkeit der Kinästhetik
Ein aktueller Themen-Check des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) sorgt in der Pflegebranche für Diskussionen. Das Institut kommt zu dem Schluss, dass es keine wissenschaftlich belastbaren Belege für den Nutzen oder Schaden der Kinästhetik gibt. Diese Methode, die Bewegungskompetenz von Pflegekräften und Bewohner:innen verbessern soll, wird seit Jahrzehnten in der Praxis angewendet. Nun stellt das IQWiG fest: Für eine Nutzenbewertung fehlen geeignete Studien.
Keine Evidenz für Kinästhetik
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat in einem neuen Themen-Check die wissenschaftliche Datenlage zur Kinästhetik bewertet. Das Ergebnis fällt ernüchternd aus: Es gebe weder Hinweise noch Belege für einen Nutzen oder Schaden durch den Einsatz von Kinästhetik zur Mobilitätsförderung. Für eine Nutzenbewertung lägen keine geeigneten Studien vor, heißt es im Bericht.
Die Konsequenz: Eine Förderung der Kinästhetik aus Mitteln der gesetzlichen Kranken- oder Pflegeversicherung lasse sich derzeit nicht begründen. Erst methodisch hochwertige, vergleichende Interventionsstudien könnten den Nutzen belegen.
Uneinigkeit über praktische Bedeutung
Heike Jurgschat-Geer, Beraterin im Gesundheitswesen, verweist darauf, dass auch andere pflegerische Themen – wie Sturzprophylaxe oder die Vermeidung freiheitseinschränkender Maßnahmen – bisher nur unzureichend erforscht seien. Einrichtungen sollten dennoch über die Wirksamkeit eigener Maßnahmen nachdenken und Erfahrungen reflektieren.
Forderung nach mehr Forschung
Pflegewissenschaftler Prof. Thomas Fischer von der Evangelischen Hochschule Dresden hält den Bericht für methodisch korrekt und transparent. Er betont jedoch, dass das Fehlen von Evidenz nicht automatisch eine Unwirksamkeit bedeute. Umso wichtiger seien Förderprogramme für nicht-medikamentöse Interventionen, um robuste wissenschaftliche Daten zu gewinnen.
Das Fazit: Kinästhetik bleibt in der Praxis verbreitet, doch ihre Wirksamkeit ist wissenschaftlich nicht belegt. Nur weitere Forschung kann klären, ob die Methode tatsächlich zu besseren Ergebnissen in der Pflege führt.
Weitere Informationen zur Diskussion finden Sie im aktuellen „Pro und Contra“ der Fachzeitschrift Altenpflege (11/2025). https://www.altenpflege-online.net/epaper/
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