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Tidal Model bringt Personenzentrierung in Pflegeheime

In der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Altenpflege stellt Tommy Laubner das Tidal Model vor. Das Modell wurde Ende der 1990er Jahre in Großbritannien von Phil Barker und Poppy Buchanan Barker entwickelt und stammt ursprünglich aus der psychiatrischen Pflege. In Deutschland findet der Ansatz bislang kaum Anwendung in der stationären Altenpflege.

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Das aus der Psychiatrie stammende Tidal Model rückt Lebensgeschichten, Ressourcen und Selbstbestimmung von Bewohner:innen in den Mittelpunkt der Pflegepraxis. Foto: AdobeStock/pixel-shot

Das Modell nutzt die Metapher des Meeres und versteht das Leben als fortlaufende Reise, in der jede Person ihre eigene Geschichte und individuelle Ressourcen mitbringt. Ziel ist es, Menschen in Krisensituationen zu unterstützen, indem Biografie, Selbstbestimmung und Teilhabe in den Mittelpunkt rücken.

Personenzentrierung als Grundlage
In der stationären Altenpflege treten biografische Brüche, Autonomieverlust und soziale Isolation gehäuft auf. Studien zeigen, dass sich über ein Drittel der Pflegeheimbewohner:innen ab 80 Jahren einsam fühlt. Das Tidal Model versteht psychische Belastungen nicht als pathologische Zustände, sondern als menschliche Reaktionen auf Lebensveränderungen. Statt defizitorientiert zu arbeiten, richtet es den Blick auf vorhandene Ressourcen. Bewohner:innen gelten als Expert:innen ihres eigenen Lebens und werden aktiv in die Gestaltung ihrer Pflege einbezogen. Recovery bedeutet dabei nicht die vollständige Wiederherstellung früherer Gesundheit, sondern ein sinnerfülltes Leben trotz bestehender Einschränkungen.

Commitments als Handlungsrahmen
Die Umsetzung erfolgt über zehn Commitments als praktische Handlungsanleitung. Diese Commitments sind Werthaltungen, zu denen sich Pflegende bewusst verpflichten. Sie betonen ehrliches Interesse, aktives Zuhören und das Verstehen der Perspektive der Bewohner:innen. Beispiele sind Die Stimme wertschätzen, Die Sprache respektieren oder Ehrliche Neugier entwickeln. Veränderung gelingt nur durch gemeinsames Commitment von Pflegenden und Bewohner:innen.

Anwendung im Pflegealltag
Bereits beim Einzug eröffnen sich Möglichkeiten zur Umsetzung. Pflegende nehmen sich Zeit für Gespräche und fragen etwa „Was ist Ihnen heute besonders wichtig?“ oder „Womit können wir Ihnen den ersten Tag hier erleichtern?“. Rituale, vertraute Gegenstände und Routinen werden bewusst einbezogen. Zeitdruck und Personalmangel gelten als Herausforderungen. Ein Praxisbeispiel zeigt den Nutzen deutlich. Eine Bewohnerin verweigert aggressiv die Körperpflege mit den Worten „Ich lasse mich nicht von fremden Männern waschen!“. Durch wertschätzendes Zuhören wird die Sorge erkannt und die Pflege angepasst.

Weitere Informationen zur Diskussion finden Sie im aktuellen „Qualität und Praxis“ der Fachzeitschrift Altenpflege (02/2026). https://www.altenpflege-online.net/epaper/