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Von besserer Pflegeausbildung bleibt nicht viel

Auch nach Jahren bleibt die generalistische Pflegeausbildung bei Fachleuten umstritten. Die Zusammenlegung von drei Ausbildungssträngen hat Vor- und Nachteile. So beginnen zwar mehr Azubis eine Ausbildung, doch viele halten nicht bis zum Ende durch.

Auszubildende zur Pflegefachfrau sitzen nachdenklich im Unterricht
Die Abrecher:innen-Quote der Pflege-Azubis in den Mitgliedsbetrieben des AGVP liegt zwischen 31 und 36 Prozent. Foto: Werner Krüper

In der Pflegeausbildung ist der Begriff „Generalistik“ längst ein Reizwort. 2020 sollte ein Meilenstein in der Weiterentwicklung des Pflegeberufs in Deutschland werden. Die Generalistik führte mit dem Pflegeberufegesetz die bis dahin getrennten Ausbildungen der Krankenpflege, der Kinderkrankenpflege sowie Altenpflege zusammen – auch, um internationale Standards zu erreichen.

Mehr Unternehmen bilden aus

Martin Mengel kann nicht klagen. Dass aktuell vergleichsweise viele junge Leute einen Azubi-Vertrag in einer Pflegeeinrichtung unterschreiben, findet er sehr positiv. Der Krankenpfleger leitet den Neubrandenburger Verein „Zukunftsfeste Pflege“ mit 70 Mitgliedsbetrieben in Mecklenburg-Vorpommern. „Seit der Generalistik haben wir mehr Betriebe, die ausbilden“, resümiert er. Das liege an der besseren Finanzierung: Arbeitgeber erhalten die Ausbildungskosten aus einem Fonds refinanziert.

Trotz 2.500 Stunden Praktika können generalistisch ausgebildete Pflegekräfte laut Mengel jedoch nicht nahtlos in den Beruf einsteigen. „Eine längere Einarbeitungszeit ist nötig, wobei das auch für junge Menschen gilt, die ein Studium absolviert haben“, so der Geschäftsleiter. Er sei dennoch froh, dass es endlich eine breit gefächerte Ausbildung gebe. So habe früher eine Altenpflegerin, anders als eine Krankenschwester, keine Spritzen geben dürfen.

Kritik an vielen Praktika bei anderen Trägern

Licht und Schatten bei der Generalistik sieht Raimund Binder, Leiter eines Pflegeheims der Arbeiterwohlfahrt in Würzburg. „Sehr positiv ist, dass wir nun die Praxisanleitung finanziert bekommen“, sagt er. Negativ sieht er dagegen die zerstückelten Praktika und vor allem die vielen Einsätze außerhalb der Einrichtung, in der ein Azubi angestellt ist. Einer seiner Azubis zum Beispiel leistete bisher nur im ersten Ausbildungsjahr mehrere Einsätze bei ihm ab: „Im zweiten Ausbildungsjahr ist er wegen Fremdeinsätzen und Urlaub kein einziges Mal bei uns.“

Der Arbeitgeberverband Pflege war laut Geschäftsführerin Isabel Halletz immer gegen die Reform. Und sieht sich in seinen Befürchtungen bestätigt: „Wir haben die Abbruchzahlen bei unseren Mitgliedern zuletzt im Frühjahr abgefragt. Sie wurden auf zwischen 31 und 36 Prozent beziffert.“ Vor fünf Jahren habe die Quote der Abbrecher bei höchstens 23 Prozent gelegen. Aus einer Einrichtung sei ihr bekannt, dass von 15 Azubis nur fünf bis zum Schluss blieben.

Probleme in der Ausbildung fallen erst spät auf

„Früher wurde der praktische Teil in einem einzigen Betrieb absolviert“, sagt Halletz. Heute würden Praktika auch als „Fremdeinsätze“ in Einrichtungen der beiden anderen Pflegebereichen absolviert. Der anstellende Ausbildungsbetrieb habe deshalb keine so intensive Bindung zu dem Azubi wie früher.

Auch der Bundesverband Ambulante Dienste und Stationäre Einrichtungen sieht die Generalistik kritisch. Die schwierige Situation in der Altenpflege habe sich weiter zugespitzt, erklärt der stellvertretende Geschäftsführer Sebastian Froese. Eigentlich, sagt er, wollte die Politik den Pflegeberuf mit der neuen Ausbildung attraktiver machen. In Bezug auf die Altenpflege sei das gescheitert. Einen Hauptgrund dafür sieht der Jurist in der unterschiedlichen Vergütung sowie in den oft als besser empfundenen Arbeitsbedingungen in den Kliniken.

Das bestätigt auch der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe, sagt aber auch: „Nicht die generalistische Ausbildung ist das Problem, sondern vielmehr die ungleichen Bedingungen in den einzelnen Versorgungsbereichen“, heißt es in einer Studie aus dem Jahr 2024.