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Wegen Migrationsdebatte: Ausländische Pflegekräfte besorgt um ihre Zukunft

Die Migrationspolitik bestimmt derzeit den Wahlkampf und der Ton in der Debatte wird immer rauer. Das hat Folgen: Laut Berichten bangen zugewanderte Pflegekräfte mehr denn je um ihre Zukunft und die Anwerbung und integration ausländischer Fachkräfte wird erschwert.

Altenpfleger aus dem Ausland überprüft Medikamenten-Blister
Ein Pflegefachmann in der stationären Altenpflege überprüft Medikamenten-Blister. Foto: Vincentz Network/Tino Schaft

Pflegeheim aus Hannover schlägt Alarm

Dem SPD-Bundestagsabgeordneten Adis Ahmetovic zufolge melden sich im Zuge der Migrationsdebatte immer mehr Unternehmen bei ihm, deren zugewanderte Mitarbeitende besorgt um ihren Aufenthalt und ihre Existenz seien. Etwa die Noi Vita Fachpflegeeinrichtung für Schwerstpflege aus Hannover, deren Belegschaft zu 80 Prozent aus Ländern wie Bulgarien, dem Kosovo, Indien, Togo oder Syrien stamme. „Der Ton und der Spin der Debatte verunsichern Unternehmen und Beschäftigte gleichermaßen“, so Ahmetovic.

Der Sozialdemokrat ist Abgeordneter aus Hannover und wäre als in Deutschland geborenes Flüchtlingskind in den 1990er Jahren beinahe selbst zusammen mit seiner Familie in den Nordbalkan abgeschoben worden. In einer Pressemitteilung wirbt er dafür, Migration als Chance und Notwendigkeit zu begreifen – insbesondere für die Pflege. Denn ohne gezielte Zuwanderung sei das derzeit und zukünftig benötigte Fachpersonal nicht zu bekommen.

Kirchenverband warnt vor Populismus

Auch der Verband katholischer Altenhilfe in Deutschland e.V. (VKAD) hat am Donnerstag dazu aufgerufen, statt populistischer Debatten über die Migration wieder über Lösungen und Chancen zu sprechen. „Wir brauchen keine Scheindebatten, sondern eine Politik, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt. Menschen, die zu uns kommen, bringen Fähigkeiten, Perspektiven und Lebenserfahrung mit. Sie sind längst Teil unserer Gesellschaft – ob in der Pflege oder in anderen Bereichen“, so der VKAD-Geschäftsführer Andreas Wedeking. Doch stattdessen werde eine Diskussion geführt, die Ängste und Abschreckung erzeuge. Das erschwere neben der dringend benötigten Anwerbung internationaler Fachkräfte auch die Integration der Menschen, die bereits hier seien.

Migration vorrangig als Bedrohung darzustellen, sei realitätsfremd. „Schon jetzt fehlen in vielen Einrichtungen Pflegekräfte, um die Versorgung sicherzustellen. Gleichzeitig zeigt sich, dass Zuwanderung unser Sozial- und Gesundheitssystem stärkt“, so Wedeking. Der VKAD fordert in einer Pressemitteilung vom Donnerstag einen Kurswechsel in der politischen Debatte, schnellere und unbürokratische Verfahren für die Anerkennung internationaler Fachkräfte sowie eine nachhaltige Sicherung unseres Sozialstaates. „Die Träger von Einrichtungen und Diensten arbeiten bereits an Lösungen. Die Politik sollte es ihnen gleichtun, statt sich in populistischen Debatten zu verlieren“, so Wedeking.