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Weiterhin Wirbel um die Pflegekammer

Der Wirbel um die Pflegekammer Niedersachsen geht weiter.
Nachdem sich zahlreiche Pflegekräfte über die Höhe der
Mitgliedsbeiträge empörten und sogar eine Online-Petition zur Auflösung der
Kammer an den Start ging (wir berichteten), melden sich nun
zunehmend auch Verbände, Organisationen und Parteien zu
Wort.

- Das Lächeln dürfte ihnen ob der zunehmenden Kritik von allen Seiten zurzeit ein wenig schwerfallen: Sandra Mehmecke (links), Präsidentin der Pflegekammer Niedersachsen, und Landessozialministerin Carola Reimann (SPD).Foto: Vincentz

Der Landesverband Niedersachsen/Bremen der Johanniter etwa hält die Errichtung
der Landespflegekammer in Niedersachsen weiterhin für
den "richtigen Schritt, um das Berufsbild und das Image
der Pflege zu stärken". Das Vorgehen der Pflegekammer
gegenüber ihren Mitgliedern zum Thema Beitragserhebung
jedoch stößt beim Verband auf deutliche Kritik – es
habe "zu einem hohen Vertrauensverlust bei unseren
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geführt, der
unbedingt nachhaltig ausgeräumt werden muss".
Landesvorstand Hannes Wendler erwartet deshalb von den
Verantwortlichen der Kammer "eine sofortige Aufklärung
und Richtigstellung gegenüber den Mitgliedern – und
eine Kommunikation auf Augenhöhe. Der Vorstand der
Pflegekammer und die Politik müssen schnellstmöglich
handeln, damit die Arbeit der Pflegekammer in die
wünschenswerte Richtung läuft und Vertrauen aufgebaut
werden kann".

Die Landesgruppe Niedersachsen des Bundesverbandes
privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) spricht in
Bezug auf die Vorkommnisse bei der Landespflegekammer
von "Chaos" und fordert von der niedersächsischen
Sozialministerin Carola Reimann (SPD) Maßnahmen, um die
Verunsicherung der Pflegefachkräfte zu stoppen. "Ohne
Änderung des derzeitigen Pflegekammerkonzeptes wird der
Pflegeberuf noch unattraktiver und die Personalnot noch
größer werden", so Ricarda Hasch, Vorsitzende der
bpa-Landesgruppe Niedersachsen.

Auch unter den im Landtag in Hannover vertretenen
Parteien macht sich in Sachen Pflegekammer zunehmend
Unmut breit. "Es ist offensichtlich, dass es der Kammer
an Rückendeckung der eigenen Pflegekräfte fehlt", meint
CDU-Fraktionschef Dirk Toepffer, "im Interesse der
Pflegekräfte und auch im Interesse der Kammer braucht
es zügige Antworten. Eine Kammer ist kein Selbstzweck."
Sylvia Bruns, Gesundheitsexpertin
der FDP-Fraktion, sagt: "Es besteht die Gefahr, dass
einige der angeschriebenen Pflegekräfte aus Angst vor
den angedrohten Strafen oder auch schlicht aus
mangelnder Sprachkenntnis den angegebenen Höchstbetrag
bezahlt haben, obwohl sie eigentlich viel weniger
verdienen."

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