News

Rothgang zu kompetenzorientierter Pflege: „Die Gefahr ist, dass überreagiert wird“

Jede Pflegeperson soll künftig die Tätigkeiten ausüben, die ihrer Qualifikation entsprechen. So sieht es die Personalbemessung in der stationären Langzeitpflege (PeBeM) vor. Ihr Entwickler Heinz Rothgang warnt jedoch davor, die Kompetenzorientierung allzu dogmatisch anzugehen.

Prof. Heinz Rothgang
Prof. Heinz Rothgang, Professor für Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung an der Uni Bremen Foto: David Ausserhofer

„Die Gefahr im Moment ist, dass überreagiert wird“, erklärt Rothgang im Interview mit der Fachzeitschrift Altenpflege, nachzulesen in der März-Ausgabe. „Ich höre mitunter die Frage, ob man als Fachkraft noch ein Glas Wasser reichen darf oder dafür eine Hilfskraft anfordern muss. Das ist absurd“, so Rothgang.

Zwar sei es richtig, dass eine Pflegefachperson in der Regel nicht die Spülmaschine ausräume. Aber man dürfe sich nicht in seinen täglichen Handlungen komplett einschränken lassen. „Und man darf Pflegehandlunge nicht so weit zerlegen, dass man zwar immer im richtigen Kompetenzniveau pflegt, aber die Einheitlichkeit der Handlung komplett verloren geht.

Darin sieht Rothgang die potenziell größte Gefahr bei der Umsetzung der Kompetenzorientierung: dass überreagiert wird „und dabei Bezugspflege und Beziehungspflege verloren gehen“.

Mehr dazu lesen Sie in der Rubrik „Qualität und Praxis“ in der März-Ausgabe der Fachzeitschrift Altenpflege. Und das passende Know-how zur Umsetzung der Personalbemessung bekommen Sie bei der „Altenpflege Digital-Konferenz: Die Personalbemessung umsetzen“ am 24. Mai. Jetzt anmelden.

Eine Antwort auf “Rothgang zu kompetenzorientierter Pflege: „Die Gefahr ist, dass überreagiert wird“

  1. familie.dittmann

    Das Dilemma ist, dass der demografische Wandel die Schere zwischen Pflegetätigkeiten und Personal immer weiter öffnen wird.
    Um so wichtiger ist es, Pflege in ihren einzelnen Bereichen entsprechend zu erörtern und zu strukturieren.
    Kern hierbei müssen die Vorbehaltstätigkeiten sein.
    Was Rothgang hier an Sorge äußert, ist in anderen Ländern schon Alltag!
    Hier möchte ich exemplarisch Buurtzog erwähnen.
    Das Problem in Deutschland ist, dass Pflege nicht organisiert ist und so selbstbestimmt diese Transformation gestaltet und so Inhalte, Prozesse, Strukturen, Werte und Qualität definiert werden und zwar von und durch die eigene Profession.
    Verdi z.B. definiert Pflege an den Arbeitsbedingungen und verhindert so eine notwendige inhaltliche und strukturelle Auseinandersetzung und Entwicklung der Pf