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Leqembi: DAlzG und AFI sehen Chancen – und Herausforderungen

Die Europäische Kommission hat den Wirkstoff Lecanemab – Handelsname: Leqembi – für die Alzheimer-Behandlung in einem frühen Stadium zuzulassen. Die Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI) und die Deutsche Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) begrüßen die Zulassung als hoffnungsvollen Schritt, sehen aber auch große Herausforderungen für die Betroffenen und das Gesundheitssystem.

Prof. Janine Diehl-Schmid, (DAlzG): "Wegen der doch begrenzten Wirksamkeit von Lecanemab kann aktuell allerdings nicht von einem echten Durchbruch in der Behandlung der Alzheimer-Krankheit gesprochen werden. Bild: AdobeStock/LIGHTFIELD STUDIOS.

„Es ist gut, dass die Patientinnen und Patienten jetzt Klarheit haben“, erklärt Dr. Anne Pfitzer-Bilsing, Leiterin Wissenschaft der gemeinnützigen Alzheimer Forschung Initiative. In Deutschland werde es damit zeitnah eine weitere Behandlungsoption für die Alzheimer-Krankheit geben. „Allerdings ist das nicht der Durchbruch, den sich Erkrankte und Angehörige wünschen“, so Dr. Pfitzer-Bilsing.

„Leqembi kann die Alzheimer-Krankheit nicht heilen, sondern nur den Verlauf um einige Monate verzögern und das nur bei einer kleinen Gruppe von Erkrankten“, unterstreicht die Expertin. „Bei der Behandlung können mit Hirnblutungen und Hirnschwellungen potentiell schwerwiegende Nebenwirkungen auftreten. Deshalb ist es wichtig, dass nur die Patientinnen und Patienten mit dem Medikament behandelt werden, die dafür ein geringeres Risiko haben. Das sind Erkrankte, die nicht zwei Kopien des Alzheimer-Risikogens ApoE4 tragen.“

„Potenzielle Nebenwirkungen im Auge behalten“

„Die Zulassung von Lecanemab ist ein erster, wichtiger Schritt in der Behandlung der Alzheimer-Krankheit mit Antikörpern, die sich gegen die Amyloid-Ablagerungen im Gehirn richten und damit den Krankheitsprozess beeinflussen können“, sagt auch Prof. Janine Diehl-Schmid, Vorstandsmitglied der DAlzG – und schränkt ebenfalls ein: „Wegen der doch begrenzten Wirksamkeit von Lecanemab kann aktuell allerdings nicht von einem echten Durchbruch in der Behandlung der Alzheimer-Krankheit gesprochen werden. Es ist sehr wichtig, potenzielle Nebenwirkungen und damit die Patientensicherheit im Auge zu behalten.“

Und weiter: „Der Frühdiagnostik der Alzheimer-Krankheit kommt nun mit der Möglichkeit einer entsprechenden Behandlung ein besonderer Stellenwert zu. Unklar ist aktuell, wo diese Frühdiagnostik geleistet werden soll. Auch ungeklärt ist, an welchen Einrichtungen die doch sehr komplexe Therapie mit Lecanemab durchgeführt werden kann.“

Herausforderungen und Einschränkungen

Die AFI geht in einer Mitteilung genauer auf die Herausforderungen und Einschränkungen einer Leqembi-Behandlung ein.

So sei sie in fortgeschrittenem Alzheimer-Stadium und für Erkrankte mit anderen Demenzen nicht geeignet. Da die Behandlung zeitintensiv (Leqembi wird alle zwei Wochen intravenös als Infusion gegeben) und mit aufwendigen Untersuchungen verbunden sei, müssten Patientinnen und Patienten außerdem noch mobil und ausreichend belastbar sein.

Profitieren auch Frauen?

Unklar sei zudem, ob und wie sehr Frauen von einer Behandlung profitieren. Ein Anhang zur Leqembi-Studie zeige einen großen Unterschied bei der Wirksamkeit zwischen Frauen und Männern: Während der Krankheitsverlauf bei Männern durchschnittlich um 43 Prozent verlangsamt werde, waren es bei Frauen nur zwölf Prozent.

Durch einen Bluttest müsse im Vorfeld einer Behandlung überprüft werden, ob keine oder maximal eine Kopie des ApoE4-Gens vorliege. Menschen mit einer doppelten Kopie seien von der Behandlung ausgeschlossen, da das Risiko für schwerwiegende Nebenwirkungen zu groß sei. Und: Die Behandlung könne voraussichtlich nur in Unikliniken und spezialisierten Fachpraxen durchgeführt werden, die die nötige Expertise und technische Ausstattung hätten.

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