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DEVAP zeigt Konsequenzen von Kürzungen in „Liste des Grauens“

Der DEVAP warnt vor den Folgen geplanter Kürzungen in der Pflege und legt mit seiner „Liste des Grauens“ drastisch dar, welche Auswirkungen die aktuelle Sparpolitik auf Pflegebedürftige und Fachkräfte hat.

Der DEVAP kritisiert die Fokussierung der Pflegepolitik auf Finanzen statt Strukturen und fordert nachhaltige Reformen statt Kürzungen Bild: Adobe Stock/vegefox.com (Symbolbild).

Der Deutsche Evangelische Verband für Altenarbeit und Pflege e.V. (DEVAP) äußert sich in einer Pressemitteilung zum zweiten geplanten Treffen der Bund-Länder-Arbeitsgruppe im Oktober 2025: „Die Arbeitsaufträge der Bund-Länder-Arbeitsgruppe und auch die aktuellen Diskussionen um die Streichung des Pflegegrades 1 zeigen, dass Finanzierungsfragen im Fokus der Pflegereform stehen, weniger System- und Strukturfragen bzw. diese immer unter dem Finanzierungsvorbehalt“, so Wilfried Wesemann, Vorsitzender des DEVAP.

„Damit werden jedoch das Potential der Gesundheitswirtschaft mit 12 Prozent vom BIP als wichtiger Wirtschaftsmotor und die Wirksamkeit einer frühzeitigen Unterstützung in der häuslichen Umgebung zum Hinauszögern von Pflegebedürftigkeit verkannt. Der DEVAP befasst sich intensiv mit den Konsequenzen von Sparmaßnahmen und Leistungskürzungen in der Pflegeversicherung“, so Wesemann weiter.

Hieraus sei die sogenannte „Liste des Grauens“ entstanden:

Sparmaßnahmen im Sozialbereich

Die bisher gewährten und auch die geplanten Darlehen für die Sozialversicherungen verkenne die prekäre Lage, weil sie nicht nachhaltig seien und die Finanzierungslast lediglich in die Zukunft verschöben. „Einsparungen allein steigern zudem das Versorgungsdefizit und retten das System nicht; dies gelingt nur durch tatsächliche Reformen. Pflegefachpersonen und junge Mediziner werden – trotz vieler gelungener Reformen, wie dem Pflegeberufegesetz – prekärer werdende Arbeitssituationen verlassen, weil sie weiterhin nur als Kostentreiber gesehen werden“, heißt es in der DEAVP-Mitteilung.

Leistungsreduzierung

Streichungen in den unteren Pflegegraden ließen Menschen mit beginnendem Unterstützungsbedarf allein und verhinderten wichtige präventive Maßnahmen. „Dies kann den pflegerischen Bedarf langfristig noch verstärken. Eine bessere Ausgabensteuerung wäre sinnvoll, indem der Fokus auf Ausgaben für Prävention, Beratungsangebote, Pflegekurse, Hilfsmittel und wohnumfeldverbessernde Maßnahmen vor Ort liegt“, so der DEVAP.

Kommunen ohne finanzielle und strukturelle Ausstattung

„Kommunen haben eine Verantwortung für eine Altenhilfe und Pflegeplanung, aber hierfür müssen diese auch entsprechend befähigt werden“, so der Verband weiter. Sie dürften nicht länger als „letzte Rettung“ der Pflegekrise ohne entsprechende Unterstützung dienen: ohne finanziellen und strukturellen Beitrag von den Ländern und vom Bund drohe eine Überforderung und ein „Regularienwildwuchs“ in den Regionen.

Verpflichtende private Vorsorge

Junge Generationen könnten eine private Vorsorge finanziell tragen, aber ältere Generationen würde dies teils massiv überfordern. „Es müssen gesamtgesellschaftliche Lösungen gefunden werden; auch um die Wirtschaft zu stabilisieren und die Angehörigen nicht als Arbeitskräfte zu verlieren. Ein möglicher Ansatz wäre ein befristeter Solidaritätsbeitrag der Babyboomer: dies geht bewusst über technische Systemkorrekturen hinaus und schafft einen neuen Generationenvertrag für die Pflege, der finanzielle Stabilität mit gesellschaftlichen Solidaritäten verbindet“, bekräftigt der DEVAP.

Finanzierungsfrage vor Strukturfrage

Zwar stelle sich die Finanzierungsfrage in der Pflegeversicherung momentan am dringendsten. Dies dürfe aber nicht dazu führen, dass die wichtigste Frage – nämlich die nach der tatsächlichen Sicherstellung der flächendeckenden Versorgung durch Strukturreformen – dahinter zurücksteht. „Die Erosion des Solidarsystems gefährdet mittelfristig die gesellschaftliche Akzeptanz und Legitimität der Pflegeversicherung. Zudem droht das Versprechen, im Alter vor Armut und sozialer Not geschützt zu sein, zur Worthülse zu werden. Dies motiviert auch nicht dazu selbst Vorsorge zu treffen“, so der Verband.

Passend dazu: Diskussion: Interessenvertretungen warnen vor Abschaffung von Pflegegrad 1