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Weniger schwere Fälle, früherer Beginn: WIdO untersucht Pflegeeintritte ab 60

Laut einer auf idw-online.de veröffentlichten Analyse des WIdO treten AOK-Versicherte ab 60 Jahren seit 2019 auf konstantem Niveau in die Pflege ein, werden dabei aber im Schnitt jünger.

Bild: AdobeStock/photographee.eu (Symbolbild).

Eine auf idw-online.de veröffentlichte Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) kommt zu dem Ergebnis, dass sich die Zahl der erstmals pflegebedürftigen AOK-Versicherten ab 60 Jahren zwischen 2019 und 2024 auf weitgehend stabilem Niveau bewegt habe. Demnach seien in diesem Zeitraum jedes Jahr rund 350.000 Versicherte dieser Altersgruppe neu in die Pflege eingetreten.

Die Auswertung stütze sich auf AOK-Routinedaten sowie Erstbegutachtungsdaten der Medizinischen Dienste. Sie setze nach der Einführungsphase des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs an, der 2017 und 2018 zunächst zu einem deutlichen Anstieg der Pflegezahlen geführt habe. Nach diesen Einmaleffekten sei die Zahl der Pflegeeintritte bei den über 60-jährigen AOK-Versicherten jedoch konstant geblieben. Am häufigsten sei Pflegegrad 2 festgestellt worden, gefolgt von Pflegegrad 1.

Pflegeeintritt mit jüngerem Alter

Zugleich zeige die Analyse, dass die Menschen bei Eintritt in die Pflegebedürftigkeit im Schnitt jünger geworden seien. Waren sie 2019 noch 79,5 Jahre alt, lag das Durchschnittsalter 2024 bei 77,9 Jahren. Besonders deutlich sei der Anstieg in der Gruppe der 60- bis 69-Jährigen gewesen, deren Anteil an den Pflegeeintritten von 13,9 Prozent auf 19,5 Prozent gestiegen sei. Das WIdO spreche von einem gewissen Vorzieheffekt; Pflegebedürftigkeit werde früher festgestellt und formalisiert.

Auch die festgestellte Pflegeschwere habe sich verändert. Der Anteil der Pflegegrade 1 und 2 unter den erstmals pflegebedürftigen AOK-Versicherten ab 60 Jahren sei zwischen 2019 und 2024 von 75,8 auf 79,9 Prozent gestiegen. Gleichzeitig sei der Anteil der höheren Pflegegrade gesunken. Pflegegrad 4 sei 2024 nur noch auf 3,8 Prozent der Fälle entfallen, Pflegegrad 5 auf 1,3 Prozent.

Pflegegeld dominiert bei Leistungen

Bei den Leistungsbewilligungen dominiere über alle Pflegegrade hinweg das Pflegegeld. Besonders deutlich habe sich der Bezug dieser Leistung in den Pflegegraden 2 und 3 erhöht. Im Pflegegrad 2 sei der Anteil von 70,5 Prozent im Jahr 2019 auf 79,6 Prozent im Jahr 2024 gestiegen, im Pflegegrad 3 von 59,3 auf 65,9 Prozent.

Aus Sicht von WIdO-Forschungsbereichsleiterin Susann Behrendt zeigten die Ergebnisse, dass die Reformdebatte nicht nur auf den Gesamtanstieg der Pflegebedürftigen blicken sollte. Ebenso wichtig sei der Blick auf die Altersstruktur der Neuzugänge. Die Gruppe der über 60-Jährigen mache demografisch einen erheblichen Anteil aus und weise ein hohes Pflegerisiko auf. Die Analyse lege nahe, dass Prävention stärker in den Mittelpunkt rücken müsse, um Beeinträchtigungen zu verzögern oder abzumildern.

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