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Gammel Oase zwischen Wohlbefinden und Evidenz
In der sogenannten Gammel Oase entscheiden Menschen mit fortgeschrittener Demenz selbst, ob sie aktiv sein wollen oder nicht. Der Ansatz setzt auf Wohlbefinden statt auf verpflichtende Aktivierung und stellt damit zentrale Annahmen der Pflegewissenschaft zur Diskussion.
Aktivierung nur als Angebot
Viele Studien zeigen positive Effekte gezielter Aktivierung auf Mobilität, Alltagskompetenzen und Wohlbefinden. Diese Erkenntnisse gelten als Grundlage pflegerischen Handelns. Das Konzept der Gammel Oase relativiert diese Sicht. Aktivierung gilt nicht mehr als notwendiges Mittel, sondern als optionales Angebot. Hintergrund ist die Annahme, dass Korrektur und Aktivierungsdruck bei fortgeschrittener Demenz herausforderndes Verhalten verstärken können. Nichtstun wird als gleichwertige Aktivität verstanden. Dies steht im Spannungsverhältnis zum Prinzip use it or lose it. Weniger Aktivität kann zu schnellerem Funktionsverlust führen. In der Praxis werden Maßnahmen daher situativ umgesetzt.
Fokus auf subjektives Wohlbefinden
Der Ansatz verschiebt den Schwerpunkt auf das subjektive Wohlbefinden der Bewohner:innen. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob körperliche Gesundheit, Mobilität und soziale Teilhabe ausreichend berücksichtigt werden. Pflegewissenschaftlich wird meist ein Gleichgewicht zwischen Wohlbefinden und Funktionserhalt angestrebt. Kritiker sehen zudem eine begrenzte empirische Absicherung. Entscheidungen beruhen stärker auf Erfahrung und individuellen Hypothesen, die im Einzelfall überprüft werden.
Grenzen der Forschung und offene Fragen
Die Forschung zur Demenzpflege ist heterogen. Viele Interventionen wurden untersucht, doch Ergebnisse bleiben oft unsicher. Subjektives Wohlbefinden ist schwer messbar. Menschen mit Demenz können es nur eingeschränkt äußern, Einschätzungen des Personals sind nicht vollständig neutral. Eine eindeutige Evaluation der Gammel Oase ist daher kaum möglich. Dennoch gilt, dass Innovation in der Pflegepraxis erprobt werden muss. Fachkräfte sind gefordert, das Konzept kontinuierlich zu hinterfragen und im Alltag zu prüfen.
Weitere Informationen zur Diskussion finden Sie im aktuellen „Pro und Contra“ der Fachzeitschrift Altenpflege (05/2026). https://www.altenpflege-online.net/epaper/
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