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Correctiv-Analyse: Jede siebte Kommune in Europa für Pflegekräfte zu teuer
Zwischen 2015 und 2025 sind Mieten und Immobilienpreise in der EU stark gestiegen. Eine Correctiv-Europe-Auswertung belegt, in welchen Regionen Pflegekräfte besonders unter der Wohnkostenbelastung leiden.
Wohnen in Europa hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verteuert, und für viele Pflegekräfte wird die Suche nach einer bezahlbaren Wohnung zur Belastung. Eine Auswertung von Correctiv Europe legt nun auf lokaler Ebene offen, in welchen Regionen der EU mittlere Einkommen, wie sie Pflegefachkräfte erzielen, nicht mehr für eine kleine Wohnung ausreichen sollen. Nach Angaben des gemeinnützigen Rechercheverbunds gilt demnach jede siebte Kommune in Europa als zu teuer für diese Berufsgruppe.
Für die Untersuchung habe Correctiv Europe Miet- und Kaufpreise in knapp 100.000 Städten und Gemeinden der Europäischen Union ausgewertet. Grundlage seien Daten des Forschungsprojekts ESPON House4All, das die durchschnittlichen Angebotsmieten und Immobilienpreise zwischen März 2024 und März 2025 erhoben habe. Diese Informationen seien mit regionalen und nationalen Einkommensdaten von Pflegefachkräften kombiniert worden, die bei den jeweiligen Statistikämtern abgefragt wurden.
Mieten im EU-Durchschnitt um 21,1 Prozent gestiegen
Die Analyse zeige, dass zwischen 2015 und 2025 die Mieten im EU-Durchschnitt um 21,1 Prozent gestiegen sein sollen, während die Kaufpreise sogar um 63,6 Prozent zugelegt hätten. In deutschen Großstädten seien die Mieten in den vergangenen zehn Jahren etwa zur Hälfte angestiegen. Anhand einer 45-Quadratmeter-Wohnung werde berechnet, ob sich Pflegekräfte diese unter den lokalen Bedingungen leisten können sollen.
Um Ausreißer zu vermeiden, seien einzelne ungewöhnlich hohe Werte aussortiert worden, wenn sie auf sehr wenige Inserate zurückgingen und stark von benachbarten Gemeinden abwichen. Ziel sei es, ein realistisches Bild des Wohnungsmarkts zu zeichnen, heißt es bei Correctiv Europe.
Als zentrale Gründe für die Belastung des Wohnungsmarkts nennt die Recherche mehrere Faktoren. So verweise Correctiv Europe auf eine Studie der Europäischen Zentralbank, wonach sich die Käufe von Wohnimmobilien durch institutionelle Investoren in den vergangenen zehn Jahren verdreifacht hätten und deren Engagement die Preise auf einem hohen Niveau halte. „Wenn institutionelle Investoren in den Markt eintreten, wird der Kauf eines Hauses oder einer Wohnung teurer“, wird die EZB zitiert.
Tourismus und kurzzeitige Vermietungen
Zudem spielten der Tourismus und kurzzeitige Vermietungen eine Rolle: Studien zufolge sollen Mieten und Immobilienpreise in Gegenden mit vielen Angeboten auf Plattformen wie Airbnb steigen. Ein von Airbnb beauftragter Bericht bewerte den Effekt auf nationaler Ebene zwar als insgesamt gering, verweise aber zugleich auf spürbare Auswirkungen in einzelnen Stadtvierteln oder Gemeinden.
Hinzu komme ein anhaltender Mangel an Neubauten. Hohe Baukosten hätten dazu geführt, dass weniger Wohnungen fertiggestellt würden; laut einer Prognose des ifo Instituts werde die Zahl der Fertigstellungen in Europa bis 2026 im Vergleich zu 2023 um 13 Prozent zurückgehen. Correctiv Europe sieht in der Auswertung einen Hinweis darauf, dass steigende Wohnkosten längst die Mitte der Gesellschaft erreichen und auch Pflegekräfte als systemrelevante Berufsgruppe stark betreffen.
Passend dazu: Pflegekammer NRW warnt: Fachkräftemangel trifft auf fehlenden Wohnraum
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