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Pflege-Mindestlöhne sollen erneut steigen – Verbände fordern Reformen

Die Pflegekommission hat sich einstimmig auf höhere Mindestlöhne in der Altenpflege geeinigt. DEVAP und VdDD mahnen weitere politische Schritte der Regierungskoalition an.

Foto: AdobeStock/StockfotosMG (Symbolbild).

Die Pflegekommission hat sich einstimmig auf höhere Mindestlöhne für Beschäftigte in der Altenpflege geeinigt: Bis zum 1. Juli 2027 sollen die Mindestlöhne für Pflegekräfte in Deutschland in zwei Schritten steigen. Die Pflegemindestlöhne werden hierbei nach Qualifikationsstufe gestaffelt. Für Pflegehilfskräfte empfiehlt die Pflegekommission eine Anhebung auf 16,95 Euro pro Stunde, für qualifizierte Pflegehilfskräfte eine Anhebung auf 18,26 Euro pro Stunde und für Pflegefachkräfte auf 21,58 Euro pro Stunde. Sie gelten einheitlich im gesamten Bundesgebiet.

Zusätzlicher bezahlter Urlaub

Für Beschäftigte in der Altenpflege empfiehlt die Pflegekommission weiterhin einen Anspruch auf zusätzlichen bezahlten Urlaub über den gesetzlichen Urlaubsanspruch hinaus. Dieser soll weiterhin neun Tage pro Kalenderjahr (bei einer 5-Tage-Woche) betragen. Die Pflegekommission hat sich bei ihrer Empfehlung für eine Laufzeit bis zum 30. September 2028 ausgesprochen.

„Unabhängig von dieser Entscheidung haben sich die Löhne für Pflege- und Betreuungskräfte in den vergangenen Jahren bereits spürbar verbessert“, sagt Bundesgesundheitsministerin Nina Warken. „Sie erhalten in den Pflegeeinrichtungen für ihre anspruchsvolle berufliche Tätigkeit durchschnittlich bereits wesentlich höhere Löhne auf Tarifniveau, als von der Pflegekommission nun festgelegt. Neben der finanziellen Komponente wollen wir die Berufe in der Pflege durch mehr Befugnisse und weniger Bürokratie stärken, um die Attraktivität dieser Berufsbilder weiter zu erhöhen.“

Erhöhungsschritte der Pflegemindestlöhne

„Jeden Tag, jede Nacht, jedes Wochenende leisten unsere Pflegekräfte Herausragendes“, ergänzt Bärbel Bas, Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Für dieses Anpacken und Dabeibleiben seien gute Löhne zentral – „damit sich auch in Zukunft Menschen gern für den Pflegeberuf entscheiden, und die Versorgung von Pflegebedürftigen sichergestellt ist“, so Bas.

Die nach der neuen Empfehlung der Kommission geplanten Erhöhungsschritte der Pflegemindestlöhne lauten im Einzelnen wie folgt:

  • Für Pflegehilfskräfte:
    Höhe aktuell: 16,10 €, ab 01.07.2026: 16,52 €, ab 01.07.2027: 16,95 €
  • Für qualifizierte Pflegehilfskräfte (Pflegekräfte mit einer mindestens 1-jährigen Ausbildung und einer entsprechenden Tätigkeit):
    Höhe aktuell: 17,35 €, ab 01.07.2026: 17,80 €, ab 01.07.2027: 18,26 €
  • Für Pflegefachkräfte:
    Höhe aktuell: 20,50 €, ab 01.07.2026: 21,03 €, ab 01.07.2027: 21,58 €

Verbände fordern Reformen

Die Diakonie Deutschland, der Deutsche Evangelische Verband für Altenarbeit und Pflege e.V. (DEVAP) und der Verband diakonischer Dienstgeber in Deutschland e.V. (VdDD) begrüßen die Einigung – mahnen aber zugleich weitere politische Schritte der Regierungskoalition an. „Professionelle Pflege hat ihren Wert – das spiegelt sich längst auch in der Entlohnung wider“, erklärt Elke Ronneberger, Bundesvorständin Sozialpolitik der Diakonie Deutschland. Die derzeitige politische Debatte um die Pflege konzentriere sich jedoch zu stark auf Kostenaspekte und verstelle damit den Blick auf das Wesentliche: Vielfältige Pflegeangebote könnten Angehörigen die Freiräume eröffnen, um am Arbeitsleben teilzuhaben und zum Wirtschaftswachstum beizutragen.

„Es liegt daher im gesamtgesellschaftlichen Interesse, Lösungen zu entwickeln, die Pflege für alle wieder finanzierbar machen – ohne die erreichten Verbesserungen bei der Bezahlung sowie die Vergütung der Mitarbeitenden nach kirchlichen Arbeitsrechtsregelungen bzw. Tarifverträgen infrage zu stellen“, so Ronnenberger.

Gefordert:  Verlässlichen Rahmenbedingungen

Auch Anna Leonhardi, Mitglied des Vorstandes des DEVAP, lenkt den Blick auf Kernprobleme der Branche: „Die Pflegebranche hat sich in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt. Seit 2012 sind etwa die Reallöhne für Pflegehilfskräfte um 42 Prozent gestiegen, bei Fachkräften um 35 Prozent – so viel wie in keiner anderen Branche. Das größte Hemmnis ist daher nicht mehr die angemessene Entlohnung in der Langzeitpflege, sondern die verlässlichen Rahmenbedingungen“ Hier sei die Politik aufgefordert, zu handeln und mit Mut für die große Pflegereform einzutreten, die seit Jahren angekündigt sei.

„Deshalb fordern wir mit vielen anderen Verbänden einen Pflegegipfel. Neben einer verlässlichen Finanzierung der Pflegeversicherung braucht es Strukturreformen zum Bürokratieabbau und mehr Freiräume für die Pflegeanbieter, um neue Pflegekonzepte zu etablieren“, unterstrich Leonhardi.

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