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Sucht im Pflegeheim: Der tabuisierte Bewohner
Alkohol im Pflegeheim ist ein Tabuthema. Dabei sind laut Experten bis zu zehn Prozent der Bewohner betroffen. Pflegekräfte stehen vor einem schwierigen Spagat zwischen Fürsorge und Autonomie.
Michaela Rzegotta kennt das Problem aus 25 Jahren Berufserfahrung. Die Pflegedienstleiterin eines Würzburger AWO-Heims schätzt, dass bis zu zehn Prozent der Heimbewohner Suchtprobleme haben. Eine alte Dame in ihrer Einrichtung weint oft bitterlich, weil sie es wieder nicht geschafft hat – sie trinkt trotz guter Vorsätze weiter.
Laut Suchttherapeutin Petra Müller von der Würzburger Caritas ist das Thema stark tabuisiert. Dabei sei es nachvollziehbar, dass alte Menschen im Heim trinken: wenig Besuch, kaum Aufgaben, körperlicher Verfall. „Dadurch kann ich ein Stück Freiheit ausleben“, sagen ihre Klienten oft.
Rzegotta wägt jeden Fall individuell ab. Einen Bewohner mit Leberzirrhose ließ sie drei Wochen gewähren, dann starb er. Schwieriger wird es, wenn Bewohner durch Alkohol stürzen oder sich zurückziehen.
Christian Morgner vom Bundesverband für Berufsbetreuer appelliert trotzdem: Alkoholkonsum gehöre zur Normalität. Diese solle man auch Pflegeheimbewohnern zugestehen. Viele Einrichtungen sind jedoch überfordert und lehnen suchtkranke Bewohner ab.
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