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Pflegekammer NRW will an Fachkraftquote festhalten

In einer einstimmig verabschiedeten Stellungnahme hat die Pflegekammer NRW die Umsetzung der Personalbemessung in der stationären Altenpflege herber Kritik unterzogen.

Fachkraftquote unterschritten, Foto_Werner_Krüper
Foto: Werner Krüper Zwei Beschäftigte in einem Pflegeheim bei der Dienstplanung.

Die Pflegekammer Nordrhein-Westfalen hat mit Blick auf die „Rothgang-Studie“ und das zum 01.07.2023 neu eingeführte Personalbemessungsverfahren eine Stellungnahme erarbeitet. Diese wurde auf der jüngsten Sitzung der Kammerversammlung einstimmig verabschiedet. Aus Sicht der Kammer ist die Umsetzung der neuen Personalbemessung in der stationären Altenpflege durch den Gesetzgeber zu vorschnell. Zudem gehe sie in vielen Teilen an der Realität vorbei. Verschiedenste Modelle der Umsetzung der gesetzlichen Regelungen würden zur Zersplitterung und Deprofessionalisierung der Berufsgruppe führen.

Was die Pflegekammer an der Personalbemessung kritisiert

„Wir befürworten die erstmalige Durchführung einer wissenschaftlichen Studie zur Pflegepersonalbemessung in der vollstationären Langzeitpflege“, sagte Leah Dörr, die als Vorstandsmitglied das Ressort Berufsfeldentwicklung bei der Pflegekammer verantwortet. Allerdings sei die Umsetzung durch den Gesetzgeber jedoch zu vorschnell. „Das verunsichert die Pflegepraxis. Die Studienbedingungen lassen sich nicht ‚eins zu eins’ auf den Pflegealltag übertragen”, kritisierte Dörr. Kritisiert wird unter anderem , dass der Ansatz der Funktionspflege im Sinne von aufgabenorientierten Tourenplanungen fokussiert werde.

Insgesamt kritisiert die Kammer die Maximalregelung des Gesetzgebers in §113c SGB XI hinsichtlich der Personalregelung scharf. So steht in der Stellungnahme: „Während Mindestregelungen häufig als Versorgungsstandard und nicht als Gefahrengrenze verstanden werden, kann die Höchstregelung wiederum nur als weiterer Aspekt der Deprofessionalisierung des Pflegeberufs und als möglicher Anreiz zum Abbau von Pflegefachpersonal angesehen werden.“

Fachkraftquote übergangsweise beibehalten

Die Pflegekammer lehnt die Abschaffung von landesspezifischen, gesetzlich fixierten Mindestpersonalausstattungen entsprechend des Verlaufes in Mecklenburg-Vorpommern kategorisch ab. So spricht sich die Kammer deutlich für die übergangsweise Beibehaltung der gesetzlich fixierten Fachpersonalquote von mindestens 50 Prozent aus, um den pflegerischen Versorgungsauftrag sicherstellen zu können. „Wir bezweifeln, dass feste Personalgrenzen jeglicher Art Pflegequalität auf Dauer sichern können. In der Übergangszeit sehen wir die Einhaltung einer Mindestgrenze jedoch als zwingend notwendig an“, so Dörr.

Was die Pflegekammer jetzt fordert

Die Pflegekammer NRW fordert daher die Nacharbeitung gesetzlicher Begleitprozesse der Personalbemessung unter Berücksichtigung pflegefachlicher Expertise. Pflegefachpersonen sollten bei Verhandlungs- und Entscheidungsprozessen der Pflegepersonalbemessung einbezogen werden. Bei der Umsetzung der gesetzlich fixierten Qualitätsniveaus ist ein ganzheitliches Pflegeverständnis von Nöten, da es jederzeit zu kurzfristigen Änderungen des Pflegegrads kommen kann. „Pflege ist nicht immer planbar. Das erleben wir tagtäglich. Pflege ist so flexibel wie die Bedarfe der Bewohner selbst“, betonte Dörr.

Veranstaltungstipp zum Thema: Die Umsetzung der Personalbemessung ist ein Schwerpunktthema auf dem AltenpflegeKongress. Die nächsten beiden Kongresse finden am 14./15. November in Hamburg und am 28./29. November in Dortmund statt.